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FAIRWATER oder die Spiegel des Herrn Bartholomew


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Rezension von

Marc-Florian Wendland

FAIRWATER oder die Spiegel des Herrn Bartholomew Fairwater, eine fiktive Stadt in den Vereinigten Staaten, genauer in Maryland; ein vergessenes, (verfluchtes?) und mit Sicherheit nicht ungefährliches Pflaster. Was sich zwischen den unzähligen Flüssen, den stinkenden, brakigen Creeds und den von gigantischen Industrieaolagen durchzogenen Tälern und Straßen abspielt, ist nur schwer zu begreifen. Sprechende Spiegel, unsichtbare Menagerien und ein abgetakelter Geigenspieler – sie alle verbindet Fairwater. Und dann ist da noch der mächtige Cosmo van Bergen und seine Prinzessin gleiche Tochter Stella... ein Netzwerk aus Kabale und Liebe, Wahnbildnissen, Hoffnungen und Verzweiflung. Oliver Plaschka geht einen sehr ungewöhnlichen Weg für einen Debütroman – er bricht mit so ziemlich jeder traditionellen Zutat für einen (kommerziell) erfolgreichen Roman, denn er verzichtet auf einen offenkundigen, leicht zu verfolgenden roten Faden, auf alt bekannte (und überreizte) Verhaltensmuster plötzlich zum Helden auserkorener Niemande und einer an die Bedürfnisse der breiten Masse ausgerichteten Geschichte. Fairwater, das ist eine Komposition phantastischer Geschichten, die alle irgendwie mit einander verknüpft sind, ohne flagrant verwoben zu sein. Dem Leser bringt dies zum einen eine häufig wechselnde Erzählperspektive – manchmal schreibt der Autor in erster, manchmal in der dritten Person –, zum anderen eine ambivalenter Empfindung der Stadt Fairwater an sich. Mal erinnert diese fiktive Stadt stark an das triste Grau menschenfeindlicher Metropolen utopischer Werken wie BladeRunner oder depressiven Thrillern wie Sieben, dem gegenüber stehen höchst prächtig ausgeschmückte Darstellungen. Fairwater ist nicht greifbar, hier spielt der Autor sein ohne Zweifel ausgeprägtes Fabuliertalent aus. Dennoch rückt die Stadt im Verlauf der Geschichten nach und nach in den Hintergrund, wird zur Grundlage der in ihr ablaufenden Handlungen. Gleichsam dazu nimmt der Anspruch, den die Geschichten an den Leser stellen, zu. Während das erste Kapitel mich sehr an Stephen King erinnerte, insbesondere die Charakterbeschreibungen, begibt sich Plaschka glücklicherweise weg von dem Versuch den King'schen Stil zu adaptieren. Erstens ist ihm das nicht wirklich gelungen (zumindest für mein Dafürhalten), zum anderen hat Plaschka es nicht nötig zu adaptieren. Sein sehr eleganter Stil, der von Kapitel zu Kapitel dominanter wird, ist großes narratives Können, das sicherlich nicht für Einsteiger in die phantastische Literatur geeignet ist. Dazu fordert der Autor von seinen Lesern zu viel, ergibt sich oft in psychen Ausschweifungen, die tief sitzende Ängste und Vorahnungen seiner Charaktere bis ins kleinste auszudrücken vermögen. Wie bereits angesprochen wird ein roter Faden augenscheinlich nicht gesponnen, die Geschichten wirken autark, gelegentlich finden sich vielleicht vertraute (oder noch vertraut werdende) Charaktere wieder, dennoch meint der unaufmerksame, leichte Kost gewöhnte Rezipient keinen Zusammenhang zu sehen. Doch dem ist nicht so... Dennoch bleibt auch Kritik nicht außen vor. Zuweilen übertreibt es der Autor mit seinen Ausflügen in die Gedankenwelt seiner Charaktere, verliert sich in zähen und Spannung entladenen philosophischen Formulierungen. Insbesondere das Kapitel „Zwischenspiel: Ein Leben“ sei hier genannt. Obgleich es einen interessanten Einblick bietet, war mein Durchhaltevermögen hier doch arg gefragt. Auch an anderer Stelle hätte ein wenig mehr Konkretisierung den Handlungen gut getan. Dies ist jedoch meine eigene Meinung. Alles in allem bleibt Fairwater eine der besonders lesenswerten Neuerscheinungen in der deutschen Phantastikszene, die so manches (kommerziell) erfolgreiche, deutsche Buch ob seiner liebevollen und außergewöhnlich guten Schreibe beschämen. Mir hat das Buch, von einigen Längen abgesehen, sehr viel Spaß gemacht. Dies lag zum Teil auch daran, dass der Autor eine mir sehr ähnliche Art der Schreibe verwendet und mir die geflissentlichen Anspielungen auf die, in meiner Jugend eindrucksvollen bzw. bahnbrechenden, Bücher und Filme, regelmäßig ein Lächeln auf die Lippen gezaubert hatten. Ein tolles Buch von einem interessanten Autor, der sicherlich nicht lange unbekannt bleiben wird.

Fairwater, eine fiktive Stadt in den Vereinigten Staaten, genauer in Maryland; ein vergessenes, (verfluchtes?) und mit Sicherheit nicht ungefährliches Pflaster. Was sich zwischen den unzähligen Flüssen, den stinkenden, brakigen Creeds und den von gigantischen Industrieaolagen durchzogenen Tälern und Straßen abspielt, ist nur schwer zu begreifen. Sprechende Spiegel, unsichtbare Menagerien und ein abgetakelter Geigenspieler – sie alle verbindet Fairwater. Und dann ist da noch der mächtige Cosmo van Bergen und seine Prinzessin gleiche Tochter Stella... ein Netzwerk aus Kabale und Liebe, Wahnbildnissen, Hoffnungen und Verzweiflung.

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Oliver Plaschka geht einen sehr ungewöhnlichen Weg für einen Debütroman – er bricht mit so ziemlich jeder traditionellen Zutat für einen (kommerziell) erfolgreichen Roman, denn er verzichtet auf einen offenkundigen, leicht zu verfolgenden roten Faden, auf alt bekannte (und überreizte) Verhaltensmuster plötzlich zum Helden auserkorener Niemande und einer an die Bedürfnisse der breiten Masse ausgerichteten Geschichte.

Fairwater, das ist eine Komposition phantastischer Geschichten, die alle irgendwie mit einander verknüpft sind, ohne flagrant verwoben zu sein. Dem Leser bringt dies zum einen eine häufig wechselnde Erzählperspektive – manchmal schreibt der Autor in erster, manchmal in der dritten Person –, zum anderen eine ambivalenter Empfindung der Stadt Fairwater an sich. Mal erinnert diese fiktive Stadt stark an das triste Grau menschenfeindlicher Metropolen utopischer Werken wie BladeRunner oder depressiven Thrillern wie Sieben, dem gegenüber stehen höchst prächtig ausgeschmückte Darstellungen. Fairwater ist nicht greifbar, hier spielt der Autor sein ohne Zweifel ausgeprägtes Fabuliertalent aus.

Dennoch rückt die Stadt im Verlauf der Geschichten nach und nach in den Hintergrund, wird zur Grundlage der in ihr ablaufenden Handlungen. Gleichsam dazu nimmt der Anspruch, den die Geschichten an den Leser stellen, zu. Während das erste Kapitel mich sehr an Stephen King erinnerte, insbesondere die Charakterbeschreibungen, begibt sich Plaschka glücklicherweise weg von dem Versuch den King'schen Stil zu adaptieren. Erstens ist ihm das nicht wirklich gelungen (zumindest für mein Dafürhalten), zum anderen hat Plaschka es nicht nötig zu adaptieren. Sein sehr eleganter Stil, der von Kapitel zu Kapitel dominanter wird, ist großes narratives Können, das sicherlich nicht für Einsteiger in die phantastische Literatur geeignet ist. Dazu fordert der Autor von seinen Lesern zu viel, ergibt sich oft in psychen Ausschweifungen, die tief sitzende Ängste und Vorahnungen seiner Charaktere bis ins kleinste auszudrücken vermögen.

Wie bereits angesprochen wird ein roter Faden augenscheinlich nicht gesponnen, die Geschichten wirken autark, gelegentlich finden sich vielleicht vertraute (oder noch vertraut werdende) Charaktere wieder, dennoch meint der unaufmerksame, leichte Kost gewöhnte Rezipient keinen Zusammenhang zu sehen. Doch dem ist nicht so...

Dennoch bleibt auch Kritik nicht außen vor. Zuweilen übertreibt es der Autor mit seinen Ausflügen in die Gedankenwelt seiner Charaktere, verliert sich in zähen und Spannung entladenen philosophischen Formulierungen. Insbesondere das Kapitel „Zwischenspiel: Ein Leben“ sei hier genannt. Obgleich es einen interessanten Einblick bietet, war mein Durchhaltevermögen hier doch arg gefragt. Auch an anderer Stelle hätte ein wenig mehr Konkretisierung den Handlungen gut getan. Dies ist jedoch meine eigene Meinung.

Alles in allem bleibt Fairwater eine der besonders lesenswerten Neuerscheinungen in der deutschen Phantastikszene, die so manches (kommerziell) erfolgreiche, deutsche Buch ob seiner liebevollen und außergewöhnlich guten Schreibe beschämen. Mir hat das Buch, von einigen Längen abgesehen, sehr viel Spaß gemacht. Dies lag zum Teil auch daran, dass der Autor eine mir sehr ähnliche Art der Schreibe verwendet und mir die geflissentlichen Anspielungen auf die, in meiner Jugend eindrucksvollen bzw. bahnbrechenden, Bücher und Filme, regelmäßig ein Lächeln auf die Lippen gezaubert hatten.

Ein tolles Buch von einem interessanten Autor, der sicherlich nicht lange unbekannt bleiben wird.

geschrieben am 28.02.2008 | 577 Wörter | 3617 Zeichen

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