
| ISBN | 3456846738 | |
| Autoren | Robert M. H. McMinn , Ralph T Hutchings , Bari M. Logan | |
| Verlag | Huber Verlag | |
| Sprache | deutsch | |
| Seiten | 192 | |
| Erscheinungsjahr | 2009 | |
| Extras | - |

Handlicher Körperführer

Ein Anatomiebuch, das alle wichtigen Körperbereiche abdecken und als Standardeinführung für alle medizinischen Lehrberufe basieren will, bietet der Schweizer Huber-Verlag, der dieses interessante Unterfangen, das noch vor der Milleniumswende in England erstmalig veröffentlicht wurde, ins Deutsche übertragen hat. Auf genau 192 Seiten findet sich für Erstsemester oder Quereinsteiger alles Wissenswerte der menschlichen Anatomie. Und damit das funktioniert, beschränkt sich die Einleitung auf ein Vorwort und eine Danksagung der Autoren auf einer einzigen Buchseite. Direkt danach geht es mit dem Kapitel Körperform und Funktion los, in dem die unterschiedlichen Systeme des Körpers (Knochen, Haut, Muskeln, Lymphe, endokrines System etc.) kurz vorgestellt und die wichtigsten anatomischen Begriffe erläutert werden.
Sämtliche Knochen und Gelenke werden anschließend auf wenigen Seiten in vivo vorgestellt; das heißt also nicht als Zeichnung, sondern als Fotografie tatsächlicher Knochenmodelle, so wie sie der Schüler auch auf dem Lehrerpult zur Anschauung wiederfindet (zumindest war das bis zur technischen Revolution allgemeiner Standard). Wie jedes Kapitel endet auch dieses mit den wichtigsten Punkten, die man als angehender Mediziner (in welcher Funktion auch immer) niemals vergessen sollte. Die weiteren sechs Kapitel behandeln dann den Körper vom Kopf her bis zu den unteren Extremitäten als einzelne Kapitel, nun aber mit Vorstellung der Muskeln, Gelenke, Nerven und wichtigsten Funktionen. Kopf, Hals und Wirbelsäule nehmen dabei als Kapitel - wen wundert es? - den größten Rahmen ein, entscheidet sich doch hier die Lebensfunktion am meisten. Geplagte Hirnschlag- oder Bandscheibenleidende können ein Lied davon singen.
Was zeichnet das Buch nun aus? Das sind in erster Linie die Abbildungen: Röntgenbilder, Fotografien am nackten Model, Zeichnungen (ausschließlich im neuronalen Bereich) und Querschnitte und Präparationen, die man nicht nur in skandalumwitterten Ausstellungen sehen kann, sondern auch in diesem Buch. Ja, das mag zunächst einmal verwirrend und für manche sogar abschreckend aussehen, aber so sieht es unter der Oberfläche aus. Großer Pluspunkt und guter Einstieg für den Puristen.
Auf der anderen Seite ist genau das für die Traditionalisten bisheriger Anatomieatlanten ungewohnt. Gesamtüberblicke oder Isolationsdarstellungen gibt es hier nicht, es ist die reine und unverfälschte, aber durchaus richtige, komplexe Einführung in die Materie. Ebenso rücksichtlos, aber unverzichtbar ist der stetige Gebrauch der lateinischen Fachtermini, die an den wichtigsten Punkten immerhin auch in Klammern übersetzt werden. Ganz wunderbar sind die Abhörgeräte gelungen, die eine kleine kastenförmige Anmerkung darstellen, bei der die wichtigsten klinischen Punkte hervorgehoben werden. Was bei einer Untersuchung besonders zu beachten ist oder auffällig sein kann steht hier in Kurzform - gelungen!
Weniger gelungen, aber der Bündigkeit geschuldet, ist die nicht immer exakt aufeinander abgestimmte Bild- und Textwahl. So ist auf der einen Seite der Arm dargestellt, auf der anderen kommen die Beschreibungen der einzelnen Muskeln und Nerven. Da muss man dann schon mal blättern und zurückblättern und wieder…
Fazit: Für den Preis und die Leichtigkeit eines solchen Werkes ein sehr interessantes und aussagekräftiges Buch. Einzig die Aussage, das die Lendenwirbelsäule (und zwar die gesamte) mit den Darmknochen das Becken bildet, habe ich nicht verstanden, aber das kann auch der leider des Öfteren recht holprigen Übersetzung geschuldet sein; ansonsten aber wissenschaftlich auf dem neusten Stand und mit vielen hilfreichen Hinweisen für Anfänger. Statt zehn Kilo Gepäck, wie normalerweise bei Anatomieatlanten, sind das hier wenige Gramm mit hochwissenschaftlichem Inhalt und überragenden Abbildungen: macht ergo eine gute Grundlage.
geschrieben am 16.01.2012 | 534 Wörter | 3402 Zeichen
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