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Star Trek – Vanguard: Der Vorbote


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Rezension von

Frank Drehmel

Star Trek – Vanguard: Der Vorbote Als (deutscher) Star Trek – Fan hat man gelernt, sich mit Enttäuschungen und Hiobs-Botschaften abzufinden. Nicht nur, dass „Es wurde in Farbe gedreht!“ das Positivste ist, was man guten Gewissens über die beiden letzten TV- bzw. Film-Produktionen, „Enterprise“ und „Nemesis“, sagen kann, sondern auch der Rückzug des Heyne-Verlags aus dem belletristischen Franchise hat Wunden hinterlassen. Das Resultat der erzwungenen Enthaltsamkeit kann der Interessierte auf diversen Zwischennetz-Seiten bewundern, wo die Ergüsse fast jedes Dritte-Reihe-Mimen zu Sensationsmeldungen hochstilisiert werden. Echte Freude findet man hier nur selten! Zu den wenigen Momenten aktueller Star Trek´scher Glückseligkeit zählte daher für den leseaffinen Fan die Ankündigung des CrossCult-Verlags, die US-Roman-Serie „Star Trek Vanguard“ in Deutschland auf dem Markt zu bringen. Allerdings mischte sich rasch ein defätistischer Unterton in das Freudenstöhnen: Ein Raumstation? Hatten wir schon mit DS9! Ein Setting im Classic-Zeitrahmen? Mein Gott, da gab es ja noch nicht einmal Holodecks! Kirk? Spitz wie Nachbars Lumpi, aber selbst Janeways Kaffee ist schlauer! Nun, da der erste Band endlich seinen Weg in die Bücherregale gefunden hat, sollen Hoffen, Harren und hämisches Unken ein Ende haben und wir können uns persönlich davon überzeugen, was David Mack zu Papier gebracht hat. Angesiedelt ist die Story, die unmittelbar nach der Classic-Folge „Where no man has gone before“ ( Die Spitze des Eisbergs) spielt, im Jahre 2263: Nach den Ereignissen auf Delta Vega, die mit dem Tod Gary Mitchells endeten, ist die ENTERPRISE zwar noch flugtauglich, aber nicht mehr in der Lage, mit maximaler Geschwindigkeit zu reisen. Eine Rückkehr ins Territorium der Föderation würde unter diesen Bedingungen viele Monate dauern, sodass Kirk beschließt, die nächste Gelegenheit zur Reparatur zu nutzen. Wider Erwarten erhalten sie Kontakt zur Sternbasis 47, einer Raumstation der Wachturmklasse namens VANGUARD, tief in der Taurus-Ausdehnung und ungewöhnlich nahe an der Grenze zum tholianischen Reich gelegen. Doch nicht nur die Position von VANGUARD scheint seltsam, auch die Tatsache, dass man die Station sehr viel schneller als ursprünglich geplant fertiggestellt hat, weckt Kirks Misstrauen. Doch bis auf eine hektische Geschäftigkeit scheint alles in Ordnung, auch wenn es um die Chemie zwischen dem sehr politisch agierenden Commodore Diego Reyes und dem jungen, forschen Kirk nicht zum Besten steht. Als dann jedoch das Frachtschiff BOMBAY auf seinem Weg von VANGUARD zur Forschungsstation auf Ravanar IV aufgebracht und vernichtet wird und der unbekannte Feind auch den Planeten selbst in eine sterile Aschewüste verwandelt, scheint Kirks Anfangsverdacht bestätigt. Während die ENTERPRISE den Auftrag erhält, die Vorfälle vor Ort zu untersuchen, entspinnt sich auf der Station ein Intrigenspiel aus Information und Desinformation, in dessem Mittelpunkt der Journalist Tim Perrington sowie die vulkanische Geheimdienstoffizierin T’Prynn stehen; ein Spiel, von dessem Ausgang die Zukunft der Föderation abhängen könnte, denn sowohl Tholianer, als auch Klingonen sehen die Expansionsbestrebungen mit Argwohn und warten nur auf ein Zeichen der Schwäche. Gehen wir in medias res und beginnen mit der Einwandbehandlung. Es mag sein, dass sich VANGUARD und DEEP SPACE NINE ähneln, es ist möglich, dass der ”TOS”-Ansatz zu kanonischen Irritationen führt. Darüber jedoch sollen die “Star Trek”-Nerds urteilen, die mit jeder Jeffries-Röhre auf Du sind und die die Lebensgeschichte sämtlicher Crewmen von deren Empfängnis bis hin zum Hinscheiden auswendig gelernt haben. Die Wahrheit ist ganz simpel: Technische bzw. militärische Details und Vordergründigkeiten spielen in David Macks Roman so gut wie keine Rolle. Es geht ihm in seiner Geschichte um Humanoide (im weitesten Sinne), um Politik und Geheimnisse, angereichert mit einer (v)erträglichen Dosis Action. Folgerichtig wird VANGUARD im Text so vage beschrieben, dass man mit gutem Willen durchaus Ähnlichkeiten zu DS9 erkennen kann oder zu BABYLON 5 oder einem großen, fliegenden Dixi-Klo (das wird der Grund für die mitgelieferte Risszeichnung der Station sein, die in ihrer Einfachheit etwas Anrührendes hat). Deutlich differenzierter als die Raumbasis sind die Figuren - und damit auch die Spezies, welche sie repräsentieren - ausgearbeitet. Jeder Protagonist hat seine Geheimnisse, kämpft mit seinen eigenen Dämonen; sei es bspw. T´Prynns dramatisch beendete Zwangsehe, Perringtons verlorene Liebe, Reyes’ vielschichtiges Versteckspiel oder Kirks Schuld an Gary Mitchells Tod. Apropos Kirk &Co.: Abgesehen davon, dass Dr. McCoy zum Zeitraum der Handlung noch nicht zur Mannschaft der ENTERPRISE gehört und Kirk überraschend bzw. erfrischend vernunftgesteuert agiert, baut der Autor die TOS-Protagonisten in der Art eines Cameo-Auftrittes sehr zurückhaltend in die Story ein, um keinen Zweifel daran aufkommen zu lassen, dass VANGUARD und seine Besatzung im Zentrum dieser neuen Roman-Reihe stehen. Dass sich meine Begeisterung angesichts des unterhaltsamen, kurzweiligen Romans nicht in ekstatischen Jubelschreien die Bahn bricht, liegt in erster Linie daran, dass die Charaktere in toto zwar interessant sind, dieses jedoch in Relation zu den bisherigen Star Trek-Veröffentlichungen gesehen werden sollte. Denn seien wir mal ehrlich: Jenseits des “Star Trek”-Franchise gehören differenzierte Storys und Figuren schon lange zum Standard-Repertoire ambitionierter (Auftrags-)Autoren. Mit einem lachenden Auge sieht man also, das Star Trek mit “Der Vorbote” endlich erwachsen geworden ist, mit einem weinenden Auge, dass es so lange gedauert hat. Fazit: Vielschichtige, „graue“ Charaktere in einer komplexen Story. Und das Schönste: kein moralinsauer erhobener Zeigefinger deutet auf die richtige Weltanschauung.

Als (deutscher) Star Trek – Fan hat man gelernt, sich mit Enttäuschungen und Hiobs-Botschaften abzufinden. Nicht nur, dass „Es wurde in Farbe gedreht!“ das Positivste ist, was man guten Gewissens über die beiden letzten TV- bzw. Film-Produktionen, „Enterprise“ und „Nemesis“, sagen kann, sondern auch der Rückzug des Heyne-Verlags aus dem belletristischen Franchise hat Wunden hinterlassen.

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Zu den wenigen Momenten aktueller Star Trek´scher Glückseligkeit zählte daher für den leseaffinen Fan die Ankündigung des CrossCult-Verlags, die US-Roman-Serie „Star Trek Vanguard“ in Deutschland auf dem Markt zu bringen. Allerdings mischte sich rasch ein defätistischer Unterton in das Freudenstöhnen:

Ein Raumstation? Hatten wir schon mit DS9!

Ein Setting im Classic-Zeitrahmen? Mein Gott, da gab es ja noch nicht einmal Holodecks!

Kirk? Spitz wie Nachbars Lumpi, aber selbst Janeways Kaffee ist schlauer!

Nun, da der erste Band endlich seinen Weg in die Bücherregale gefunden hat, sollen Hoffen, Harren und hämisches Unken ein Ende haben und wir können uns persönlich davon überzeugen, was David Mack zu Papier gebracht hat.

Angesiedelt ist die Story, die unmittelbar nach der Classic-Folge „Where no man has gone before“ ( Die Spitze des Eisbergs) spielt, im Jahre 2263:

Nach den Ereignissen auf Delta Vega, die mit dem Tod Gary Mitchells endeten, ist die ENTERPRISE zwar noch flugtauglich, aber nicht mehr in der Lage, mit maximaler Geschwindigkeit zu reisen. Eine Rückkehr ins Territorium der Föderation würde unter diesen Bedingungen viele Monate dauern, sodass Kirk beschließt, die nächste Gelegenheit zur Reparatur zu nutzen.

Wider Erwarten erhalten sie Kontakt zur Sternbasis 47, einer Raumstation der Wachturmklasse namens VANGUARD, tief in der Taurus-Ausdehnung und ungewöhnlich nahe an der Grenze zum tholianischen Reich gelegen. Doch nicht nur die Position von VANGUARD scheint seltsam, auch die Tatsache, dass man die Station sehr viel schneller als ursprünglich geplant fertiggestellt hat, weckt Kirks Misstrauen.

Doch bis auf eine hektische Geschäftigkeit scheint alles in Ordnung, auch wenn es um die Chemie zwischen dem sehr politisch agierenden Commodore Diego Reyes und dem jungen, forschen Kirk nicht zum Besten steht.

Als dann jedoch das Frachtschiff BOMBAY auf seinem Weg von VANGUARD zur Forschungsstation auf Ravanar IV aufgebracht und vernichtet wird und der unbekannte Feind auch den Planeten selbst in eine sterile Aschewüste verwandelt, scheint Kirks Anfangsverdacht bestätigt.

Während die ENTERPRISE den Auftrag erhält, die Vorfälle vor Ort zu untersuchen, entspinnt sich auf der Station ein Intrigenspiel aus Information und Desinformation, in dessem Mittelpunkt der Journalist Tim Perrington sowie die vulkanische Geheimdienstoffizierin T’Prynn stehen; ein Spiel, von dessem Ausgang die Zukunft der Föderation abhängen könnte, denn sowohl Tholianer, als auch Klingonen sehen die Expansionsbestrebungen mit Argwohn und warten nur auf ein Zeichen der Schwäche.

Gehen wir in medias res und beginnen mit der Einwandbehandlung. Es mag sein, dass sich VANGUARD und DEEP SPACE NINE ähneln, es ist möglich, dass der ”TOS”-Ansatz zu kanonischen Irritationen führt. Darüber jedoch sollen die “Star Trek”-Nerds urteilen, die mit jeder Jeffries-Röhre auf Du sind und die die Lebensgeschichte sämtlicher Crewmen von deren Empfängnis bis hin zum Hinscheiden auswendig gelernt haben.

Die Wahrheit ist ganz simpel: Technische bzw. militärische Details und Vordergründigkeiten spielen in David Macks Roman so gut wie keine Rolle. Es geht ihm in seiner Geschichte um Humanoide (im weitesten Sinne), um Politik und Geheimnisse, angereichert mit einer (v)erträglichen Dosis Action. Folgerichtig wird VANGUARD im Text so vage beschrieben, dass man mit gutem Willen durchaus Ähnlichkeiten zu DS9 erkennen kann oder zu BABYLON 5 oder einem großen, fliegenden Dixi-Klo (das wird der Grund für die mitgelieferte Risszeichnung der Station sein, die in ihrer Einfachheit etwas Anrührendes hat).

Deutlich differenzierter als die Raumbasis sind die Figuren - und damit auch die Spezies, welche sie repräsentieren - ausgearbeitet. Jeder Protagonist hat seine Geheimnisse, kämpft mit seinen eigenen Dämonen; sei es bspw. T´Prynns dramatisch beendete Zwangsehe, Perringtons verlorene Liebe, Reyes’ vielschichtiges Versteckspiel oder Kirks Schuld an Gary Mitchells Tod.

Apropos Kirk &Co.: Abgesehen davon, dass Dr. McCoy zum Zeitraum der Handlung noch nicht zur Mannschaft der ENTERPRISE gehört und Kirk überraschend bzw. erfrischend vernunftgesteuert agiert, baut der Autor die TOS-Protagonisten in der Art eines Cameo-Auftrittes sehr zurückhaltend in die Story ein, um keinen Zweifel daran aufkommen zu lassen, dass VANGUARD und seine Besatzung im Zentrum dieser neuen Roman-Reihe stehen.

Dass sich meine Begeisterung angesichts des unterhaltsamen, kurzweiligen Romans nicht in ekstatischen Jubelschreien die Bahn bricht, liegt in erster Linie daran, dass die Charaktere in toto zwar interessant sind, dieses jedoch in Relation zu den bisherigen Star Trek-Veröffentlichungen gesehen werden sollte. Denn seien wir mal ehrlich: Jenseits des “Star Trek”-Franchise gehören differenzierte Storys und Figuren schon lange zum Standard-Repertoire ambitionierter (Auftrags-)Autoren. Mit einem lachenden Auge sieht man also, das Star Trek mit “Der Vorbote” endlich erwachsen geworden ist, mit einem weinenden Auge, dass es so lange gedauert hat.

Fazit: Vielschichtige, „graue“ Charaktere in einer komplexen Story. Und das Schönste: kein moralinsauer erhobener Zeigefinger deutet auf die richtige Weltanschauung.

geschrieben am 24.03.2008 | 823 Wörter | 5012 Zeichen

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