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Schiller als Philosoph


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Rezension von

Ragan Tanger

Schiller als Philosoph Klassische Größe jederzeit Wir leben in einer Zeit, in der schlechter Geschmack Konjunktur hat, so die provozierende These des Germanisten und Philosophen Rüdiger Safranski. Der geborene Schwabe, der sich zu Beginn seiner wissenschaftlichen Tätigkeit mit den besonderen Querköpfen deutscher Literaturgeschichte beschäftige (unter anderem Biographien über Nietzsche und Heidegger veröffentlichte), hat in den letzten fünf Jahren den Großteil seiner akademischen Aufmerksamkeit auf den großen Idealisten der deutschen Klassik gelegt: Johann Christoph Friedrich Schiller, auch geborener Schwabe, steht, so die Synthese von Safranksis These, als Mahnmal der modernen Trashkultur gegenüber - im Zeichen des guten, ästhetischen Geschmackes. Drum sind seine Schriften nach wie vor aktuell. Und um sie, vor allen Dingen neben den allseits bekannten und immer wieder neu redigierten Dramen, Novellen und Gedichten, dem Publikum wieder näher zu bringen, hat Safranski eine beachtliche Auswahl vorgelegt. Die 2005 veröffentlichte Anthologie, die Schillers philosophische, die man heute auch etwas verallgemeinernd als populärwissenschaftliche Schriften bezeichnen könnte, Studien in den Mittelpunkt stellt, wurde von Radioropa gekonnt ins Auditive transponiert. Und um dabei das Beste vorweg zu nehmen: Diese Schillerschen Beschreibungen, die wahrlich nicht immer leichte Kost sind, bedürfen einer behutsamen und geduldigen Erzählerin – genau solch eine hat man gefunden. Sonja Caruso, die in der Schweiz geborene Italienerin, die das Deutsche ebenso feinzüngig beherrscht wie den klassischen Gesang, wirkt anfangs, beginnt man mit dem Genuss dieses satten Hörbuchpaketes, etwas zu vorsichtig. Als ob die Verve fehlte, Schiller und seine Gedanken mit aller jener sprudelnden Deutlichkeit auszudrücken. Doch recht schnell merkt man als Hörer, dass dieses vorsichtige, gleichwohl punktgenau akzentuierte und sauber modulierte Vorgehen dem Rezipientenwunsch am Besten entgegenkommt. Denn der will Hörbücher nicht während des Sports oder des Abendessens verschlingen, sondern tiefe und komplexe Gedankengänge auch nach einmaligem Hören nachvollziehen können. Das gelingt mit Caruso letztlich wunderbar. Auch vom Anwenderservice besticht dieses Hörbuch durch das doppelte Angebot von wahlweise neun Audio-CDs oder einer mp3-CD. Nur so biete ich dem Kunden die einzig logische Selektion moderner Apparatur. Ob im CD-Player, als Datei auf dem Rechner oder im Mp3-Player: dieses literarische Großwerk kann man überall problemlos goutieren. Mehr als elf Stunden sind, egal auf welcher Version, eine reichhaltige, dennoch überschaubare Fundgrube. Neben dem einleitenden Essay von Safranski wurden ausführliche Auszüge aus Schillers philosophischen Überlegungen zur Physiologie, zur Liebe und Skepsis, zur Kunst des Spiels, zur Religion und zur Geschichte ausgewählt. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen bevorstehenden Tod und die intellektuelle Integration der Schriften Immanuel Kants sorgten ab den 1790er Jahren für diese besonders produktive Blütephase dieses großen Literaten deutscher Sprach- und Kunstgeschichte. Immer wieder dringen die symbiotischen Verflechtungen materieller und seelischer (oder geistiger) Teile in den Texten dieser Ausgabe an die Oberfläche. Nur der vitale Geist fördert den lebendigen Organismus und umgekehrt. Zum Spiel führt Schiller aus: „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Wer weiteres dieser zeitlosen Integration dem der mechanischen Einseitigkeit de Moderne verhafteten Wesen entgegensetzen will, sollte sich diese Anregungen ganz genau anhören.

Klassische Größe jederzeit

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Wir leben in einer Zeit, in der schlechter Geschmack Konjunktur hat, so die provozierende These des Germanisten und Philosophen Rüdiger Safranski. Der geborene Schwabe, der sich zu Beginn seiner wissenschaftlichen Tätigkeit mit den besonderen Querköpfen deutscher Literaturgeschichte beschäftige (unter anderem Biographien über Nietzsche und Heidegger veröffentlichte), hat in den letzten fünf Jahren den Großteil seiner akademischen Aufmerksamkeit auf den großen Idealisten der deutschen Klassik gelegt: Johann Christoph Friedrich Schiller, auch geborener Schwabe, steht, so die Synthese von Safranksis These, als Mahnmal der modernen Trashkultur gegenüber - im Zeichen des guten, ästhetischen Geschmackes. Drum sind seine Schriften nach wie vor aktuell.

Und um sie, vor allen Dingen neben den allseits bekannten und immer wieder neu redigierten Dramen, Novellen und Gedichten, dem Publikum wieder näher zu bringen, hat Safranski eine beachtliche Auswahl vorgelegt. Die 2005 veröffentlichte Anthologie, die Schillers philosophische, die man heute auch etwas verallgemeinernd als populärwissenschaftliche Schriften bezeichnen könnte, Studien in den Mittelpunkt stellt, wurde von Radioropa gekonnt ins Auditive transponiert. Und um dabei das Beste vorweg zu nehmen: Diese Schillerschen Beschreibungen, die wahrlich nicht immer leichte Kost sind, bedürfen einer behutsamen und geduldigen Erzählerin – genau solch eine hat man gefunden.

Sonja Caruso, die in der Schweiz geborene Italienerin, die das Deutsche ebenso feinzüngig beherrscht wie den klassischen Gesang, wirkt anfangs, beginnt man mit dem Genuss dieses satten Hörbuchpaketes, etwas zu vorsichtig. Als ob die Verve fehlte, Schiller und seine Gedanken mit aller jener sprudelnden Deutlichkeit auszudrücken. Doch recht schnell merkt man als Hörer, dass dieses vorsichtige, gleichwohl punktgenau akzentuierte und sauber modulierte Vorgehen dem Rezipientenwunsch am Besten entgegenkommt. Denn der will Hörbücher nicht während des Sports oder des Abendessens verschlingen, sondern tiefe und komplexe Gedankengänge auch nach einmaligem Hören nachvollziehen können. Das gelingt mit Caruso letztlich wunderbar.

Auch vom Anwenderservice besticht dieses Hörbuch durch das doppelte Angebot von wahlweise neun Audio-CDs oder einer mp3-CD. Nur so biete ich dem Kunden die einzig logische Selektion moderner Apparatur. Ob im CD-Player, als Datei auf dem Rechner oder im Mp3-Player: dieses literarische Großwerk kann man überall problemlos goutieren. Mehr als elf Stunden sind, egal auf welcher Version, eine reichhaltige, dennoch überschaubare Fundgrube. Neben dem einleitenden Essay von Safranski wurden ausführliche Auszüge aus Schillers philosophischen Überlegungen zur Physiologie, zur Liebe und Skepsis, zur Kunst des Spiels, zur Religion und zur Geschichte ausgewählt.

Die Auseinandersetzung mit dem eigenen bevorstehenden Tod und die intellektuelle Integration der Schriften Immanuel Kants sorgten ab den 1790er Jahren für diese besonders produktive Blütephase dieses großen Literaten deutscher Sprach- und Kunstgeschichte. Immer wieder dringen die symbiotischen Verflechtungen materieller und seelischer (oder geistiger) Teile in den Texten dieser Ausgabe an die Oberfläche. Nur der vitale Geist fördert den lebendigen Organismus und umgekehrt. Zum Spiel führt Schiller aus: „Der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur da ganz Mensch, wo er spielt.“ Wer weiteres dieser zeitlosen Integration dem der mechanischen Einseitigkeit de Moderne verhafteten Wesen entgegensetzen will, sollte sich diese Anregungen ganz genau anhören.

geschrieben am 20.10.2010 | 494 Wörter | 3154 Zeichen

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