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Das Mädchen


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Rezension von

Antje Jürgens

Das Mädchen Die 1998 entstandene Geschichte wurde zuvor von anderen Verlagen (Schneekluth und Ullstein) veröffentlicht. Im Februar 2011 erschien sie ein weiteres Mal über den Pan-Verlag. Der grün gehaltene Buchumschlag der aktuellen Ausgabe zeigt einen kahlen Wald, das Motiv der Vorderseite ist mit einem Hologramm gleichermaßen schlicht wie schön gearbeitet. Es zeigt zusätzlich zu dem mehr oder weniger dunklen Wald (je nachdem wie man das Buch hält) ein junges Mädchen und ein gelbes Augenpaar, das auf das Mädchen starrt. Das durch das Hologramm ebenfalls mal größer oder kleiner wirkende Mädchen und seine düstere Umgebung passen zum Inhalt und verdeutlichen bereits sehr gut, worum es in Kings Roman geht. Der 1947 geborene Autor ist ein Garant für Gänsehauteffekte. Über 400 Millionen verkaufter Bücher in mehr als 40 Sprachen zeigen, dass er nicht nur in seinem Heimatstaat Maine eine feste Größe des Horrorgenres ist. Allerdings richtete sich der größte Teil seiner Geschichten an ein eher erwachsenes Publikum. Wie passt ein Jugendbuch in das von ihm bevorzugte Genre? Die Lektüre zeigt sehr bald, dass das überraschend gut geht. Denn King verlässt die größtenteils von ihm beschrittenen, bereits etwas ausgetretenen Horrorpfade und beschreibt den Überlebenskampf der realistisch gezeichneten neunjährigen Trisha, die sich bei einem Tagesausflug zu einem Teilstück des Appalachian Trail hoffnungslos im Wald verirrt. Die meiste Zeit ist der Fokus auf das Kind gerichtet, nur kurzzeitig ergeben sich minimale Perspektivwechsel auf die besorgte Familie. Obwohl Trisha mittels Gedanken und Selbstgesprächen zu Wort kommt, erzählt sie ihre Geschichte nicht selbst. >>Ich habe keine Angst. Überhaupt keine Angst. Der Wanderweg ist gleich dort vorn. Es ist wirklich ganz unmöglich, sich hier zu verlaufen ….<< Dass es das doch ist, merkt Trisha sehr schnell. Tagelang versucht sie verzweifelt aus dem Wald zu gelangen oder jemanden zu finden, der ihr dabei helfen kann. Für eine einfache Wanderung mag ihre Kleidung und Ausrüstung ausgereicht haben, für eine solche Situation genügt sie nicht. Zudem ist der für einen Tagesausflug bemessene Proviant viel zu schnell verbraucht. Der Wald bietet Nahrung - doch was ist giftig, was schadet mehr, als dass es ihr weiterhilft? Wespen fallen über sie her, Stechmücken fressen sie fast auf, sie verletzt sich, wird krank. Trotzdem läuft sie fast zu Tode erschöpft immer weiter. Trifft die eine oder andere fatale Entscheidung, entfernt sich mehr und mehr von den Suchtrupps. Die Kraft dafür zieht sie unter anderem aus erdachten Gesprächen – mit sich selbst, ihrem Vater, ihrer Freundin, einem Baseballspieler, für den das Mädchen schwärmt. Ruft Erinnerungen wach, um sich von ihrer momentanen Situation abzulenken. Eine kleine Schwachstelle der Geschichte bietet hier Trishas Begeisterung für Baseball, was sowohl der Autor in die Geschichte, als auch der Verlag in die Buchgestaltung eingebaut hat. Die einzelnen Kapitel sind nicht nur in „Vor dem Spiel“, insgesamt Durchgänge (ein Spiel dauert je nach Liga 9 Innings) mit einzelnen Hälften, und „Nach dem Spiel“ unterteilt, was jeweils deutlich durch eine zwei-, bzw. ab dem vierten Durchgang, dreiseitige Wiederholung des Waldmotives vom Text abgegrenzt wird. King lässt sich auch über die Sportart an sich aus und für Laien können die betreffenden Textpassagen Längen beinhalten. Davon wird man aber schnell wieder abgelenkt. Etwa von Trishas Nächten mit ihrem Walkman, der ihr Kraft gibt und dabei hilft, nicht verrückt zu werden. Wenn die Angst zu groß wird, weil die Nacht zu dunkel und voll erschreckender Geräusche ist, flößen die Stimmen aus dem kleinen Gerät Zuversicht ein, geben zumindest etwas Halt durch ihre – im Normalfall – Selbstverständlichkeit. Nicht nur die Schilderung dieser Nächte mit der das Mädchen umgebenden Dunkelheit ist King überaus gut gelungen. Denn was ein neunjähriges Stadtkind allein in einem unendlich wirkenden, nachts zappendusteren oder lediglich mondbeschienen, unwegsamen Wald erlebt oder was ihre überreizte Fantasie ihr vorspielt, ist natürlich weder normal noch eine Selbstverständlichkeit. Und was eigentlich recht simpel beginnt, wird - ganz King – weitergesponnen. Denn da gibt es natürlich noch etwas. Dieses Etwas wird nicht nur durch die gelblichen Augen im Covermotiv oder einen Hinweis in der Inhaltsangabe angedeutet. Schon bald merkt nicht nur Trisha, dass ihr etwas auf den Fersen ist, dem sie im Ernstfall nichts, aber auch gar nichts entgegenzusetzen hat. Sehr früh wird dem Leser aus seiner sicheren Position heraus klar, um was genau es sich dabei handelt. Dennoch schafft King es, durch den ihm typischen Erzählstil die an sich schon beklemmende Grundsituation sukzessiv zu verschärfen. Wie gewohnt lässt er das Grauen in ruhigen Tönen anklingen. Jedoch nicht um es letztlich, wie von eingefleischten Fans vermutlich erwartet, in lautlosem Gebrüll lichterloh zu entfachen. Trotz der deutlichen Steigerung der Bedrohungssituation lässt er die Geschichte dadurch, dass er sein Hauptaugenmerk auf das Mädchen richtet, einsteigerfreundlich oder auch jugendbuchgerecht wachsen. Die Schilderung von Trishas Erlebnissen ist sensibel und lässt ihr Wechselbad an Gefühlen auch ohne übernatürlichen Horror überaus authentisch wirken. Die Gänsehaut wird weniger durch das ihr beständig folgende Wesen hervorgerufen, als durch die Phasen der Hoffnungslosigkeit, Angst und Verzweiflung, die sie durchlebt. Trauer und Wut werden abgelöst durch leichte Panik bis hin zur Existenzangst, die durch Hunger und Krankheit ausgelöste Halluzinationen noch verstärkt wird. Der ins scheinbare Nichts führende Weg voller Hindernisse und Probleme ist es, der für aufgestellte Nackenhärchen sorgt. Ein Weg, den viele von uns vermutlich ebenso naiv wie Trisha betreten, unter Umständen jedoch weitaus weniger gut bewältigen würden. Gekonnt und subtil konfrontiert der Autor seine Leserschaft mit Urängsten, die in uns allen stecken. Auch wenn Das Mädchen sich vom Gros seiner Bücher unterscheidet: Kings Erzählstil zieht einen dennoch durch das Buch, selbst wenn man Grausigeres von ihm gewohnt ist und das avisierte Lesealter deutlich überschritten hat. Man fühlt mit dem Kind, man leidet mit ihm, man möchte es in die Arme schließen und hofft auf einen guten Ausgang. Fazit Bis auf die erwähnten kleineren Längen, die durch die Ausführungen zum Thema Baseball für Laien und Nicht-Fans entstehen, ein spannendes Buch, das durchaus für die anvisierte Leser- bzw. Altersgruppe geeignet ist (entgegen meiner ursprünglichen Befürchtungen) und für das ich vier von fünf Punkten vergeben möchte. Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)

Die 1998 entstandene Geschichte wurde zuvor von anderen Verlagen (Schneekluth und Ullstein) veröffentlicht. Im Februar 2011 erschien sie ein weiteres Mal über den Pan-Verlag. Der grün gehaltene Buchumschlag der aktuellen Ausgabe zeigt einen kahlen Wald, das Motiv der Vorderseite ist mit einem Hologramm gleichermaßen schlicht wie schön gearbeitet. Es zeigt zusätzlich zu dem mehr oder weniger dunklen Wald (je nachdem wie man das Buch hält) ein junges Mädchen und ein gelbes Augenpaar, das auf das Mädchen starrt.

weitere Rezensionen von Antje Jürgens

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rezensiert seit
Buchtitel
1
08.07.2013
3
12.05.2013

Das durch das Hologramm ebenfalls mal größer oder kleiner wirkende Mädchen und seine düstere Umgebung passen zum Inhalt und verdeutlichen bereits sehr gut, worum es in Kings Roman geht. Der 1947 geborene Autor ist ein Garant für Gänsehauteffekte. Über 400 Millionen verkaufter Bücher in mehr als 40 Sprachen zeigen, dass er nicht nur in seinem Heimatstaat Maine eine feste Größe des Horrorgenres ist. Allerdings richtete sich der größte Teil seiner Geschichten an ein eher erwachsenes Publikum. Wie passt ein Jugendbuch in das von ihm bevorzugte Genre?

Die Lektüre zeigt sehr bald, dass das überraschend gut geht. Denn King verlässt die größtenteils von ihm beschrittenen, bereits etwas ausgetretenen Horrorpfade und beschreibt den Überlebenskampf der realistisch gezeichneten neunjährigen Trisha, die sich bei einem Tagesausflug zu einem Teilstück des Appalachian Trail hoffnungslos im Wald verirrt. Die meiste Zeit ist der Fokus auf das Kind gerichtet, nur kurzzeitig ergeben sich minimale Perspektivwechsel auf die besorgte Familie. Obwohl Trisha mittels Gedanken und Selbstgesprächen zu Wort kommt, erzählt sie ihre Geschichte nicht selbst.

>>Ich habe keine Angst. Überhaupt keine Angst. Der Wanderweg ist gleich dort vorn. Es ist wirklich ganz unmöglich, sich hier zu verlaufen ….<< Dass es das doch ist, merkt Trisha sehr schnell. Tagelang versucht sie verzweifelt aus dem Wald zu gelangen oder jemanden zu finden, der ihr dabei helfen kann. Für eine einfache Wanderung mag ihre Kleidung und Ausrüstung ausgereicht haben, für eine solche Situation genügt sie nicht. Zudem ist der für einen Tagesausflug bemessene Proviant viel zu schnell verbraucht. Der Wald bietet Nahrung - doch was ist giftig, was schadet mehr, als dass es ihr weiterhilft? Wespen fallen über sie her, Stechmücken fressen sie fast auf, sie verletzt sich, wird krank. Trotzdem läuft sie fast zu Tode erschöpft immer weiter. Trifft die eine oder andere fatale Entscheidung, entfernt sich mehr und mehr von den Suchtrupps.

Die Kraft dafür zieht sie unter anderem aus erdachten Gesprächen – mit sich selbst, ihrem Vater, ihrer Freundin, einem Baseballspieler, für den das Mädchen schwärmt. Ruft Erinnerungen wach, um sich von ihrer momentanen Situation abzulenken. Eine kleine Schwachstelle der Geschichte bietet hier Trishas Begeisterung für Baseball, was sowohl der Autor in die Geschichte, als auch der Verlag in die Buchgestaltung eingebaut hat. Die einzelnen Kapitel sind nicht nur in „Vor dem Spiel“, insgesamt Durchgänge (ein Spiel dauert je nach Liga 9 Innings) mit einzelnen Hälften, und „Nach dem Spiel“ unterteilt, was jeweils deutlich durch eine zwei-, bzw. ab dem vierten Durchgang, dreiseitige Wiederholung des Waldmotives vom Text abgegrenzt wird. King lässt sich auch über die Sportart an sich aus und für Laien können die betreffenden Textpassagen Längen beinhalten. Davon wird man aber schnell wieder abgelenkt. Etwa von Trishas Nächten mit ihrem Walkman, der ihr Kraft gibt und dabei hilft, nicht verrückt zu werden. Wenn die Angst zu groß wird, weil die Nacht zu dunkel und voll erschreckender Geräusche ist, flößen die Stimmen aus dem kleinen Gerät Zuversicht ein, geben zumindest etwas Halt durch ihre – im Normalfall – Selbstverständlichkeit. Nicht nur die Schilderung dieser Nächte mit der das Mädchen umgebenden Dunkelheit ist King überaus gut gelungen.

Denn was ein neunjähriges Stadtkind allein in einem unendlich wirkenden, nachts zappendusteren oder lediglich mondbeschienen, unwegsamen Wald erlebt oder was ihre überreizte Fantasie ihr vorspielt, ist natürlich weder normal noch eine Selbstverständlichkeit. Und was eigentlich recht simpel beginnt, wird - ganz King – weitergesponnen. Denn da gibt es natürlich noch etwas. Dieses Etwas wird nicht nur durch die gelblichen Augen im Covermotiv oder einen Hinweis in der Inhaltsangabe angedeutet. Schon bald merkt nicht nur Trisha, dass ihr etwas auf den Fersen ist, dem sie im Ernstfall nichts, aber auch gar nichts entgegenzusetzen hat.

Sehr früh wird dem Leser aus seiner sicheren Position heraus klar, um was genau es sich dabei handelt. Dennoch schafft King es, durch den ihm typischen Erzählstil die an sich schon beklemmende Grundsituation sukzessiv zu verschärfen. Wie gewohnt lässt er das Grauen in ruhigen Tönen anklingen. Jedoch nicht um es letztlich, wie von eingefleischten Fans vermutlich erwartet, in lautlosem Gebrüll lichterloh zu entfachen. Trotz der deutlichen Steigerung der Bedrohungssituation lässt er die Geschichte dadurch, dass er sein Hauptaugenmerk auf das Mädchen richtet, einsteigerfreundlich oder auch jugendbuchgerecht wachsen. Die Schilderung von Trishas Erlebnissen ist sensibel und lässt ihr Wechselbad an Gefühlen auch ohne übernatürlichen Horror überaus authentisch wirken. Die Gänsehaut wird weniger durch das ihr beständig folgende Wesen hervorgerufen, als durch die Phasen der Hoffnungslosigkeit, Angst und Verzweiflung, die sie durchlebt. Trauer und Wut werden abgelöst durch leichte Panik bis hin zur Existenzangst, die durch Hunger und Krankheit ausgelöste Halluzinationen noch verstärkt wird. Der ins scheinbare Nichts führende Weg voller Hindernisse und Probleme ist es, der für aufgestellte Nackenhärchen sorgt. Ein Weg, den viele von uns vermutlich ebenso naiv wie Trisha betreten, unter Umständen jedoch weitaus weniger gut bewältigen würden. Gekonnt und subtil konfrontiert der Autor seine Leserschaft mit Urängsten, die in uns allen stecken.

Auch wenn Das Mädchen sich vom Gros seiner Bücher unterscheidet: Kings Erzählstil zieht einen dennoch durch das Buch, selbst wenn man Grausigeres von ihm gewohnt ist und das avisierte Lesealter deutlich überschritten hat. Man fühlt mit dem Kind, man leidet mit ihm, man möchte es in die Arme schließen und hofft auf einen guten Ausgang.

Fazit

Bis auf die erwähnten kleineren Längen, die durch die Ausführungen zum Thema Baseball für Laien und Nicht-Fans entstehen, ein spannendes Buch, das durchaus für die anvisierte Leser- bzw. Altersgruppe geeignet ist (entgegen meiner ursprünglichen Befürchtungen) und für das ich vier von fünf Punkten vergeben möchte.

Copyright © 2011 by Antje Jürgens (AJ)

geschrieben am 23.03.2011 | 989 Wörter | 5661 Zeichen

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Rezension von

Letterschming

Das Mädchen Der Roman „Das Mädchen“ von Stephen King erschien ursprünglich 1999 im New Yorker Viking-Verlag unter dem Originaltitel „The Girl Who Loved Tom Gordon“. 2000 wurde die Erste von zahlreichen deutschen Ausgaben veröffentlicht. Zuletzt brachte nun der PAN-Verlag eine gebundene Ausgabe mit wunderschönem Hologramm-Cover heraus. Trisha ist acht Jahre alt und stammt aus komplizierten Familienverhältnissen. Die Eltern sind geschieden und leben getrennt. Besonders Trisha leidet unter diesem Umstand. Als sie mit ihrem älteren Bruder und ihrer Mutter einen Wanderausflug in den Appalachen unternimmt und die beiden sich wieder einmal streiten, macht Trisha den größten Fehler und betritt den Wald. Sie ist sich vollkommen sicher, dass sie den Weg sofort wiederfinden kann, doch dann gerät sie immer tiefer und tiefer ins Unterholz und verliert völlig die Orientierung. Plötzlich muss die Achtjährige mit nur wenigen Vorräten, einem Regencape und ihrem Walkman ganz allein in der Wildnis klarkommen und dem Gedanken ins Gesicht sehen, dass sie auch die finstere Nacht im Wald verbringen wird. Obwohl ihre Mutter und ihr Bruder die Polizei alarmieren und eine große Suche gestartet wird, wird Trisha nicht gefunden und irrt Tag um Tag durch die großen Wälder. Doch sie ist dort nicht so allein, wie sie zuerst geglaubt hat. Irgendetwas verbirgt sich am Tag im Unterholz und nähert sich ihr nur nachts, wenn sie schläft, während es auf den Moment wartet, um zuzuschlagen. „Das Mädchen“ ist der erste Roman, den ich von Stephen King gelesen habe. Auf der einen Seite habe ich mich darauf gefreut, endlich einmal ein Buch dieses berühmten Autors zu lesen, andererseits habe ich aber auch einige Bewertungen und Leseproben von Stephen Kings Werken vor mir gehabt, in denen seine Schreibweise langatmig und ausschweifend erscheint. „Das Mädchen“ hingegen ist in seiner Schreibweise sogar äußerst angenehm zu lesen. Im Wesentlichen beschreibt King, wie die kleine Trisha durch den Wald irrt und versucht, in der Wildnis zu überleben. Ab und zu gibt es auch Rückblenden, in denen Trishas zerrüttetes Familienleben geschildert wird und manchmal springt der Autor auch für einige Sätze zu der Familie selbst oder zu der Polizei und beschreibt ganz kurz, wie es dort vorangeht. Ich hatte beim Lesen jedoch nie das Gefühl, dass diese kurzen Unterbrechungen des eigentlichen Geschehens die Handlung unnötig in die Länge ziehen und ihr dadurch schaden würden. Im Gegenteil, es handelt sich ja durchaus auch um spannende Szenen, die dem Leser helfen, Trishas Charakter besser zu verstehen. Darüber hinaus empfand ich es mitunter durchaus als angenehm, dass die Wanderungen durch den Wald hin und wieder von anderen Erzählungen unterbrochen wurden. Zuträglich hingegen wäre es der Geschichte gewesen, wenn die ewig langen Beschreibungen der Baseballspiele, die sich Trisha mit dem Radio ihres Walkmans anhört, gekürzt worden wären. Für Trisha bedeuten diese Spiele ihrer Lieblingsbaseballmannschaft eine Verbindung zur Außenwelt, die sie davor bewahrt, aufzugeben. Für den Leser jedoch ziehen sich die detaillierten Beschreibungen endlos in die Länge, zumal wenn man mit den Regeln des Baseballs nicht allzu vertraut ist. Weitreichende Kenntnisse der Sportart werden nämlich vorausgesetzt. Leider muss ich da passen, weshalb ich diese Passagen später nur noch überflogen habe. Umso spannender sind dafür die Sequenzen, in denen Trisha durch den Wald wandert und sich mit ihren Ängsten auseinandersetzt, die sich besonders in der Nacht zeigen, wenn sie überall Geräusche zu hören glaubt, oder wenn sie auf rätselhafte Klauenspuren und blutige Tierkadaver stößt. Immer stärker wird das Gefühl, verfolgt zu werden, und die Furcht vor der anbrechenden Nacht. Gleichzeitig muss sich Trisha darum kümmern, genügend Nahrung und Trinkwasser zu finden, und sich gegen Sümpfe und Mücken behaupten. Schonungslos und realistisch beschreibt der Autor alle Schwierigkeiten, denen sich ein Verirrter im Wald mitunter stellen muss. Trisha selbst ist meiner Meinung nach ein sympathischer und glaubwürdiger Charakter, mit dem man schnell mitfühlen kann. Ab und zu trifft sie zwar Entscheidungen, die vielleicht etwas zu erwachsen für eine Achtjährige scheinen, dann wieder reagiert sie aber durch und durch wie ein kleines Kind. Zudem möchte ich mir nicht anmaßen beurteilen zu können, wie Menschen in einer solchen Extremsituation tatsächlich reagieren. Dennoch habe ich festgestellt, dass ich mir Trisha, nachdem ihr Alter nur ein- oder zweimal kurz erwähnt wurde, automatisch älter vorgestellt habe, aberdas verändert die Geschichte selbst ja nicht. Wie es für King wohl üblich ist, wird die Frage, ob nun tatsächlich etwas Übernatürliches geschehen ist, also ob Trisha tatsächlich verfolgt wird, oder ob ihre Phantasie ihr nur einen Streich spielt, in dem Roman nicht geklärt. So kann der Leser sich am Schluss selbst entscheiden, welche Version der Geschichte er bevorzugt. Fazit: „Das Mädchen“ ist ein äußerst spannendes, wenn auch mit knapp 300 Seiten eher kurzes Lesevergnügen. Nur ab und zu einmal habe ich die ausschweifende Schreibweise Kings als ein klein wenig störend empfunden, aber nach wenigen Seiten hatte mich die Geschichte schon wieder in ihren Bann geschlagen, denn der Autor vermag es auf hervorragende Weise, dem Leser Trishas Gefühlswelt näher zu bringen und ihn mit dem kleinen Mädchen fühlen und fürchten zu lassen. „Das Mädchen wird mit Sicherheit nicht mein letzter Roman von Stephen King sein.

Der Roman „Das Mädchen“ von Stephen King erschien ursprünglich 1999 im New Yorker Viking-Verlag unter dem Originaltitel „The Girl Who Loved Tom Gordon“. 2000 wurde die Erste von zahlreichen deutschen Ausgaben veröffentlicht. Zuletzt brachte nun der PAN-Verlag eine gebundene Ausgabe mit wunderschönem Hologramm-Cover heraus.

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Trisha ist acht Jahre alt und stammt aus komplizierten Familienverhältnissen. Die Eltern sind geschieden und leben getrennt. Besonders Trisha leidet unter diesem Umstand. Als sie mit ihrem älteren Bruder und ihrer Mutter einen Wanderausflug in den Appalachen unternimmt und die beiden sich wieder einmal streiten, macht Trisha den größten Fehler und betritt den Wald. Sie ist sich vollkommen sicher, dass sie den Weg sofort wiederfinden kann, doch dann gerät sie immer tiefer und tiefer ins Unterholz und verliert völlig die Orientierung.

Plötzlich muss die Achtjährige mit nur wenigen Vorräten, einem Regencape und ihrem Walkman ganz allein in der Wildnis klarkommen und dem Gedanken ins Gesicht sehen, dass sie auch die finstere Nacht im Wald verbringen wird. Obwohl ihre Mutter und ihr Bruder die Polizei alarmieren und eine große Suche gestartet wird, wird Trisha nicht gefunden und irrt Tag um Tag durch die großen Wälder. Doch sie ist dort nicht so allein, wie sie zuerst geglaubt hat. Irgendetwas verbirgt sich am Tag im Unterholz und nähert sich ihr nur nachts, wenn sie schläft, während es auf den Moment wartet, um zuzuschlagen.

„Das Mädchen“ ist der erste Roman, den ich von Stephen King gelesen habe. Auf der einen Seite habe ich mich darauf gefreut, endlich einmal ein Buch dieses berühmten Autors zu lesen, andererseits habe ich aber auch einige Bewertungen und Leseproben von Stephen Kings Werken vor mir gehabt, in denen seine Schreibweise langatmig und ausschweifend erscheint.

„Das Mädchen“ hingegen ist in seiner Schreibweise sogar äußerst angenehm zu lesen. Im Wesentlichen beschreibt King, wie die kleine Trisha durch den Wald irrt und versucht, in der Wildnis zu überleben. Ab und zu gibt es auch Rückblenden, in denen Trishas zerrüttetes Familienleben geschildert wird und manchmal springt der Autor auch für einige Sätze zu der Familie selbst oder zu der Polizei und beschreibt ganz kurz, wie es dort vorangeht. Ich hatte beim Lesen jedoch nie das Gefühl, dass diese kurzen Unterbrechungen des eigentlichen Geschehens die Handlung unnötig in die Länge ziehen und ihr dadurch schaden würden. Im Gegenteil, es handelt sich ja durchaus auch um spannende Szenen, die dem Leser helfen, Trishas Charakter besser zu verstehen. Darüber hinaus empfand ich es mitunter durchaus als angenehm, dass die Wanderungen durch den Wald hin und wieder von anderen Erzählungen unterbrochen wurden.

Zuträglich hingegen wäre es der Geschichte gewesen, wenn die ewig langen Beschreibungen der Baseballspiele, die sich Trisha mit dem Radio ihres Walkmans anhört, gekürzt worden wären. Für Trisha bedeuten diese Spiele ihrer Lieblingsbaseballmannschaft eine Verbindung zur Außenwelt, die sie davor bewahrt, aufzugeben. Für den Leser jedoch ziehen sich die detaillierten Beschreibungen endlos in die Länge, zumal wenn man mit den Regeln des Baseballs nicht allzu vertraut ist. Weitreichende Kenntnisse der Sportart werden nämlich vorausgesetzt. Leider muss ich da passen, weshalb ich diese Passagen später nur noch überflogen habe.

Umso spannender sind dafür die Sequenzen, in denen Trisha durch den Wald wandert und sich mit ihren Ängsten auseinandersetzt, die sich besonders in der Nacht zeigen, wenn sie überall Geräusche zu hören glaubt, oder wenn sie auf rätselhafte Klauenspuren und blutige Tierkadaver stößt. Immer stärker wird das Gefühl, verfolgt zu werden, und die Furcht vor der anbrechenden Nacht. Gleichzeitig muss sich Trisha darum kümmern, genügend Nahrung und Trinkwasser zu finden, und sich gegen Sümpfe und Mücken behaupten. Schonungslos und realistisch beschreibt der Autor alle Schwierigkeiten, denen sich ein Verirrter im Wald mitunter stellen muss.

Trisha selbst ist meiner Meinung nach ein sympathischer und glaubwürdiger Charakter, mit dem man schnell mitfühlen kann. Ab und zu trifft sie zwar Entscheidungen, die vielleicht etwas zu erwachsen für eine Achtjährige scheinen, dann wieder reagiert sie aber durch und durch wie ein kleines Kind. Zudem möchte ich mir nicht anmaßen beurteilen zu können, wie Menschen in einer solchen Extremsituation tatsächlich reagieren. Dennoch habe ich festgestellt, dass ich mir Trisha, nachdem ihr Alter nur ein- oder zweimal kurz erwähnt wurde, automatisch älter vorgestellt habe, aberdas verändert die Geschichte selbst ja nicht.

Wie es für King wohl üblich ist, wird die Frage, ob nun tatsächlich etwas Übernatürliches geschehen ist, also ob Trisha tatsächlich verfolgt wird, oder ob ihre Phantasie ihr nur einen Streich spielt, in dem Roman nicht geklärt. So kann der Leser sich am Schluss selbst entscheiden, welche Version der Geschichte er bevorzugt.

Fazit: „Das Mädchen“ ist ein äußerst spannendes, wenn auch mit knapp 300 Seiten eher kurzes Lesevergnügen. Nur ab und zu einmal habe ich die ausschweifende Schreibweise Kings als ein klein wenig störend empfunden, aber nach wenigen Seiten hatte mich die Geschichte schon wieder in ihren Bann geschlagen, denn der Autor vermag es auf hervorragende Weise, dem Leser Trishas Gefühlswelt näher zu bringen und ihn mit dem kleinen Mädchen fühlen und fürchten zu lassen. „Das Mädchen wird mit Sicherheit nicht mein letzter Roman von Stephen King sein.

geschrieben am 14.05.2011 | 830 Wörter | 4655 Zeichen

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