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Das Paradies der Täter


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Rezension von

Letterschming

Das Paradies der Täter "Das Paradies der Täter" von dem deutschen Autor Jürgen Seidel erschien im März 2013 in gebundener Form beim cbj-Verlag. Es ist das Jahr 1952. Das Colegio Friedrich ist die einzige deutsche Schule in der argentinischen Stadt La Plata. Hier werden die Kinder jüdischer Familien zusammen mit den Kindern von geflohenen Naziverbrechern ausgebildet. Der siebzehnjährige Tom kommt neu auf die Schule und verliebt sich sogleich in das jüdische Mädchen Walli. Daher verschweigt er zunächst, dass auch seine Eltern Nazis sind, und gibt vor, selbst Jude zu sein. Eine Lüge, die nicht lange Bestand haben kann. "Das Paradies der Täter" ist aus Toms Perspektive geschrieben, sodass man als Leser von vornherein Einblick in seine Gefühlswelt hat. Auch wenn Tom der Neue auf der Schule ist, wird ziemlich schnell klar, um was für ein Pulverfass es sich bei dieser gemischten Gruppe handelt. So ist auch Tom gezwungen, für eine Seite Partei zu ergreifen. Die hübsche Walli sorgt dafür, dass ihm diese Entscheidung nicht besonders schwerfällt. Doch damit geraten sowohl Tom als auch Walli zwischen die Fronten des eskalierenden Konflikts. Der Autor hat hier eine sehr interessante Kulisse geschaffen. Sicherlich gibt es genug Bücher, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, wie die Kinder von Naziverbrechen dieses Erbe zu verarbeiten versuchen. Doch durch die Zusammenpferchung dieser Kinder mit den jüdischen Kindern auf so engem Raum entsteht eine ganz besonders explosive Situation. Obwohl Argentinien so weit von Deutschland entfernt liegt und einige Jahre vergangen sind, scheint der Krieg hier nicht weit weg zu sein und der Ärger ist vorprogrammiert. Seidel beweist viel Einfühlungsvermögen und eine gute Menschenkenntnis mit der Art und Weise, wie er das Thema angeht. Er vermittelt intensive Gefühle, ohne einen mit erhobenem Zeigefinger belehren zu wollen. Anstatt einem den Standpunkt zu erklären, den diese Geschichte vertritt, vermittelt er seine Aussagen durch die Handlungen der Figuren hindurch, sodass es beim Lesen zunächst gar nicht auffällt. Erst wenn man im Nachhinein darüber reflektiert, wird einem bewusst, was genau der Autor überhaupt aussagen will, und dass man es schon längst unterbewusst aufgenommen und verarbeitet hat. Dazu tragen sicher auch die lebendigen Persönlichkeiten der einzelnen Figuren bei. Mit wenigen Worten gelingt es dem Autor individuelle Charaktere zu erschaffen, deren Verhaltensweisen sich gut nachvollziehen lassen. Man versteht sowohl den Konflikt, in dem sich die Kinder der Naziverbrecher befinden, als auch die Probleme der jüdischen Kinder. Gefallen hat mir auch, dass nicht nur die Kinder, sondern ebenso die Eltern zu Wort kommen. So erhält man einen sehr breit gefächerten Einblick in das Beziehungsgeflecht aller Beteiligten und kann viele Standpunkte genauer betrachten. Fazit: "Das Paradies der Täter" ist ein einfühlsames Werk, dass noch neue Denkansätze über ein Thema bietet, über das schon unglaublich viel geschrieben wurde. Ohne die Rolle des Oberlehrers einzunehmen, vermittelt der Autor ganz nebenbei seine Nachricht und gibt einem die Möglichkeit, sich seinen eigenen Standpunkt zu bilden.

"Das Paradies der Täter" von dem deutschen Autor Jürgen Seidel erschien im März 2013 in gebundener Form beim cbj-Verlag.

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06.06.2016
4
06.06.2016

Es ist das Jahr 1952. Das Colegio Friedrich ist die einzige deutsche Schule in der argentinischen Stadt La Plata. Hier werden die Kinder jüdischer Familien zusammen mit den Kindern von geflohenen Naziverbrechern ausgebildet. Der siebzehnjährige Tom kommt neu auf die Schule und verliebt sich sogleich in das jüdische Mädchen Walli. Daher verschweigt er zunächst, dass auch seine Eltern Nazis sind, und gibt vor, selbst Jude zu sein. Eine Lüge, die nicht lange Bestand haben kann.

"Das Paradies der Täter" ist aus Toms Perspektive geschrieben, sodass man als Leser von vornherein Einblick in seine Gefühlswelt hat. Auch wenn Tom der Neue auf der Schule ist, wird ziemlich schnell klar, um was für ein Pulverfass es sich bei dieser gemischten Gruppe handelt. So ist auch Tom gezwungen, für eine Seite Partei zu ergreifen. Die hübsche Walli sorgt dafür, dass ihm diese Entscheidung nicht besonders schwerfällt. Doch damit geraten sowohl Tom als auch Walli zwischen die Fronten des eskalierenden Konflikts.

Der Autor hat hier eine sehr interessante Kulisse geschaffen. Sicherlich gibt es genug Bücher, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, wie die Kinder von Naziverbrechen dieses Erbe zu verarbeiten versuchen. Doch durch die Zusammenpferchung dieser Kinder mit den jüdischen Kindern auf so engem Raum entsteht eine ganz besonders explosive Situation. Obwohl Argentinien so weit von Deutschland entfernt liegt und einige Jahre vergangen sind, scheint der Krieg hier nicht weit weg zu sein und der Ärger ist vorprogrammiert.

Seidel beweist viel Einfühlungsvermögen und eine gute Menschenkenntnis mit der Art und Weise, wie er das Thema angeht. Er vermittelt intensive Gefühle, ohne einen mit erhobenem Zeigefinger belehren zu wollen. Anstatt einem den Standpunkt zu erklären, den diese Geschichte vertritt, vermittelt er seine Aussagen durch die Handlungen der Figuren hindurch, sodass es beim Lesen zunächst gar nicht auffällt. Erst wenn man im Nachhinein darüber reflektiert, wird einem bewusst, was genau der Autor überhaupt aussagen will, und dass man es schon längst unterbewusst aufgenommen und verarbeitet hat.

Dazu tragen sicher auch die lebendigen Persönlichkeiten der einzelnen Figuren bei. Mit wenigen Worten gelingt es dem Autor individuelle Charaktere zu erschaffen, deren Verhaltensweisen sich gut nachvollziehen lassen. Man versteht sowohl den Konflikt, in dem sich die Kinder der Naziverbrecher befinden, als auch die Probleme der jüdischen Kinder.

Gefallen hat mir auch, dass nicht nur die Kinder, sondern ebenso die Eltern zu Wort kommen. So erhält man einen sehr breit gefächerten Einblick in das Beziehungsgeflecht aller Beteiligten und kann viele Standpunkte genauer betrachten.

Fazit: "Das Paradies der Täter" ist ein einfühlsames Werk, dass noch neue Denkansätze über ein Thema bietet, über das schon unglaublich viel geschrieben wurde. Ohne die Rolle des Oberlehrers einzunehmen, vermittelt der Autor ganz nebenbei seine Nachricht und gibt einem die Möglichkeit, sich seinen eigenen Standpunkt zu bilden.

geschrieben am 15.06.2013 | 470 Wörter | 2680 Zeichen

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