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Körperglück


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Informationen zum Buch
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Rezension von

Dr. Hermann Joosten

Körperglück Das Buch ist grundsätzlich für Patienten empfehlenswert als Information zu Erkrankungen und als Ratgeber zur Lebensführung. Aber es gibt vielerlei Einwände. Der Verlag ist im Klappentext unschön reißerisch: „Bartens trägt Beweise dafür zusammen, dass die Erkenntnisse der internationalen Forschung zu einem Paradigmenwechsel führen müssen: weg vom mechanistischen Menschenbild, hin zu einem ganzheitlichen Ansatz, der Körper und Seele gleichermaßen berücksichtigt. Hier kündigt sich eine Revolution an, und Bartens ist ihr Verkünder.“ Abgesehen davon, dass Verkünder häufig mehr Unglück erzeugen als sie verhindern, muss man darauf hinweisen, dass psychosomatische Einsichten sich historisch bis in den Alten Orient zurückverfolgen lassen. Freud und Pawlow schufen schon in 19. Jh. die Grundlagen der Psychosomatik. Der ganzheitliche Ansatz ist schon seit Jahrzehnten Thema in der Medizin. Bei den „Beweisen“ handelt es sich um bekannte Forschungsergebnisse, überwiegend aus den letzten Jahren, wie das solide Literaturverzeichnis zeigt. Wenngleich die Vermittlungsidee des Autors zu begrüßen ist, so ist inhaltlich einiges verkürzt, verzerrt und wenig hilfreich, und zwar in den Bereichen, in denen es um Psychologisches geht. Öfter wird der Autor moralisch belehrend („Vermeiden Sie Trennungen, denn erneut heiraten hilft nicht immer.“, „Freundlich streiten – aber nicht bis aufs Blut.“). Da möchte man in Variation einer Bemerkung K. Valentins sagen: Wenn es so ginge, dann geht es auch ohne das Buch. Überhaupt ist dies das Hauptproblem des Werkes: Die Forschungen der Psychoanalyse, der Verhaltenstherapie und anderer psychotherapeutischer Ansätze zur psychischen Entwicklung, zu Beziehungsstörungen usw. werden kaum beachtet. Studien zu psychosozialen Zusammenhängen werden unkritisch übernommen. So zitiert der Autor eine amerikanische Studie, wonach Ehe und Freundeskreis gesundheitsfördernd seien und Isolation krank mache. Der Autor macht daraus den Aufruf zur Trennungsvermeidung und rät zur Ehe (S.60f). Abgesehen davon, dass diese Studie eine gefühlte Evidenz vermittelt, ist sie fragwürdig (So sind „Ehe“ und „Isolation“ kein Gegensatz und kategorial konfundiert, indem Isolation sozialer Status als auch Selbstwahrnehmung („Einsamkeit“) ist. Es gibt nicht selten die Isolation in der Ehe. Auch wenn es soziale Isolation allein durch äußere Bedingungen gibt, so spricht Isolation meist von psychischen Problemen. Auch die häufige undifferenzierte Nutzung des Stressbegriffes ist wenig hilfreich. SELYE unterschied zwischen Stressor, Stress, Eustress und Distress und beschrieb eine uniforme physiologische Reaktion. Schon für SELYE waren auch starke gute Gefühle ein Stressor. Die Arbeiten von z. B. LAZARUS sind nicht erwähnt. Der Autor benutzt den „Stress“ – wie in der Populärliteratur üblich – meist als Synonym für irgendetwas Belastendes, sei es externer Art (Lärm z. B.) oder aus der eigenen Konflikthaftigkeit entstanden. Bei letzterer hilft aber nur die innere Neuregulation, und hierzu braucht es oft externe Beratung und Psychotherapie.

Das Buch ist grundsätzlich für Patienten empfehlenswert als Information zu Erkrankungen und als Ratgeber zur Lebensführung.

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Aber es gibt vielerlei Einwände. Der Verlag ist im Klappentext unschön reißerisch: „Bartens trägt Beweise dafür zusammen, dass die Erkenntnisse der internationalen Forschung zu einem Paradigmenwechsel führen müssen: weg vom mechanistischen Menschenbild, hin zu einem ganzheitlichen Ansatz, der Körper und Seele gleichermaßen berücksichtigt. Hier kündigt sich eine Revolution an, und Bartens ist ihr Verkünder.“

Abgesehen davon, dass Verkünder häufig mehr Unglück erzeugen als sie verhindern, muss man darauf hinweisen, dass psychosomatische Einsichten sich historisch bis in den Alten Orient zurückverfolgen lassen. Freud und Pawlow schufen schon in 19. Jh. die Grundlagen der Psychosomatik. Der ganzheitliche Ansatz ist schon seit Jahrzehnten Thema in der Medizin. Bei den „Beweisen“ handelt es sich um bekannte Forschungsergebnisse, überwiegend aus den letzten Jahren, wie das solide Literaturverzeichnis zeigt.

Wenngleich die Vermittlungsidee des Autors zu begrüßen ist, so ist inhaltlich einiges verkürzt, verzerrt und wenig hilfreich, und zwar in den Bereichen, in denen es um Psychologisches geht. Öfter wird der Autor moralisch belehrend („Vermeiden Sie Trennungen, denn erneut heiraten hilft nicht immer.“, „Freundlich streiten – aber nicht bis aufs Blut.“). Da möchte man in Variation einer Bemerkung K. Valentins sagen: Wenn es so ginge, dann geht es auch ohne das Buch. Überhaupt ist dies das Hauptproblem des Werkes: Die Forschungen der Psychoanalyse, der Verhaltenstherapie und anderer psychotherapeutischer Ansätze zur psychischen Entwicklung, zu Beziehungsstörungen usw. werden kaum beachtet.

Studien zu psychosozialen Zusammenhängen werden unkritisch übernommen. So zitiert der Autor eine amerikanische Studie, wonach Ehe und Freundeskreis gesundheitsfördernd seien und Isolation krank mache. Der Autor macht daraus den Aufruf zur Trennungsvermeidung und rät zur Ehe (S.60f). Abgesehen davon, dass diese Studie eine gefühlte Evidenz vermittelt, ist sie fragwürdig (So sind „Ehe“ und „Isolation“ kein Gegensatz und kategorial konfundiert, indem Isolation sozialer Status als auch Selbstwahrnehmung („Einsamkeit“) ist. Es gibt nicht selten die Isolation in der Ehe. Auch wenn es soziale Isolation allein durch äußere Bedingungen gibt, so spricht Isolation meist von psychischen Problemen.

Auch die häufige undifferenzierte Nutzung des Stressbegriffes ist wenig hilfreich. SELYE unterschied zwischen Stressor, Stress, Eustress und Distress und beschrieb eine uniforme physiologische Reaktion. Schon für SELYE waren auch starke gute Gefühle ein Stressor. Die Arbeiten von z. B. LAZARUS sind nicht erwähnt. Der Autor benutzt den „Stress“ – wie in der Populärliteratur üblich – meist als Synonym für irgendetwas Belastendes, sei es externer Art (Lärm z. B.) oder aus der eigenen Konflikthaftigkeit entstanden. Bei letzterer hilft aber nur die innere Neuregulation, und hierzu braucht es oft externe Beratung und Psychotherapie.

geschrieben am 25.08.2017 | 422 Wörter | 2640 Zeichen

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