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Miteinander reden – Störungen und Klärungen


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Rezension von

Lesefreund

Miteinander reden – Störungen und Klärungen „Niemand versteht mich.“ Wer hätte dies nicht schon einmal von seinen Mitmenschen gedacht. Dasjenige, was man sagen möchte, kommt beim Zuhörer häufig ganz anders an. Woran liegt das? Mit seiner Reihe „Miteinander reden“ geht der Kommunikationspsychologe Friedemann Schulz von Thun seit den frühen 1980er Jahren dem Phänomen der – mehr oder weniger gut gelingenden – zwischenmenschlichen Kommunikation nach. Warum kann es in Gesprächen überhaupt zu Missverständnissen kommen, wo doch die Sprache scheinbar eindeutig und unter normalen Umständen vom Zuhörer gut zu verstehen ist? Sigmund Freud hatte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in seiner Abhandlung „Zur Psychopathologie des Alltagslebens“ näher mit dem Phänomen des Versprechens beschäftigt, und der daraus hervorgegangene sprichwörtliche Freudsche Versprecher beziehungsweise die Freudsche Fehlleistung sind noch heute in aller Munde. Was Schulz von Thun beabsichtigt, ist eher eine angenehm zu lesende Untersuchung wissenschaftlicher Ausrichtung, die sich mit dem Phänomen des Ver-Hörens und des Miteinandersprechens allgemein beschäftigt. Unter der Überschrift „Die Anatomie einer Nachricht“ stellt Schulz von Thun zunächst einige Aspekte der zwischenmenschlichen Kommunikation vor und weist darauf hin, dass im Bereich des menschlichen Miteinander so gut wie nie eine rein sachliche Sender-Empfänger-Beziehung besteht. Vielmehr gibt es unterschiedliche Gesichtspunkte, die bei einer Analyse der menschlichen Kommunikation berücksichtigt werden sollten, um ein möglichst umfassendes Bild dieses facettenreichen Prozesses erhalten zu können. Man nehme beispielsweise den Satz „Es regnet.“ als Ausgangspunkt für weitere Überlegungen. Besagt er in allen Situationen dasselbe? Nicht unbedingt. Die im Satz enthaltene Information, dass es regne, lässt sich ihrem informellen Kern nach kaum variieren beziehungsweise abstreiten. Doch wie steht es mit der Verwendung dieses Satzes durch den Sprecher selbst? Will er mit seiner Hilfe tatsächlich immer ausschließlich darüber Auskunft geben, dass es regne, oder sind nicht noch andere Verwendungszusammenhänge in einem Gespräch denkbar? Wie steht es etwa mit dem Fall, dass der Satz „Es regnet.“ als Antwort auf eine Frage verwendet wird? Zum Beispiel: „Wolltest Du heute nicht spazieren gehen?“ „Es regnet.“ Man merkt, dass der Satz an dieser Stelle mehr aussagen kann. Der Sprecher könnte etwa sagen wollen: „Nein, bei Regen gehe ich nicht vor die Tür.“ Dies ist nach Schulz von Thun der Aspekt der sogenannten „Selbstoffenbarung“, bei welcher der Sprecher im Rahmen seiner Mitteilung etwas über sich selbst aussagt. Je nach Tonfall könnte der Satz „Es regnet.“ noch weitere Bedeutungen enthalten, wie etwa „Nein, bei Regen gehe ich nicht vor die Tür. Und das weißt Du genau!“ Der Ton macht bekanntlich die Musik und verrät dem Gegenüber zugleich etwas von der Stimmungslage des Sprechers ihm gegenüber. Dies ist der Aspekt der Beziehungsebene, bei der Schulz von Thun das Verhältnis der Kommunikationspartner zueinander in den Vordergrund stellt, da neben dem sogenannten „Sachinhalt“ – der Aussage, dass es regne – noch weitere Informationen übermittelt werden, nämlich in welchem Verhältnis der Sprecher zu seinem Gegenüber steht. Schließlich kann der Aussagesatz „Es regnet.“ auch noch als sogenannter „Appell“ verwendet werden, indem er beispielsweise als Erwiderung auf die Ankündigung eines Gegenübers „Ich gehe jetzt spazieren.“ erfolgt und in diesem Zusammenhang soviel bedeutet wie: „Zieh Dir aber vorher (bitte) etwas Wärmeres oder Wetterfesteres an.“ Neben diesen vier Dimensionen einer Äußerung – also: Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehungsebene und Appell – bestehen nach Schulz von Thun noch die vier „Ohren“ des Gegenübers, die mit eben denselben Empfangseinstellungen ausgestattet sind und folglich für Verwechselung sorgen können, wenn etwa die Beziehungsbotschaft des einen in das „Appell-Ohr“ des anderen gelangt und umgekehrt. Im Bereich der zwischenmenschlichen Kommunikation gibt es demnach eine Vielzahl von Möglichkeiten sich „falsch“ auszudrücken, so dass Unwägbarkeiten seitens der Kommunikationspartner eher die Regel als die Ausnahme darstellen und infolgedessen immer schon ahnend mitberücksichtigt werden sollten. Im zweiten Teil des Ratgebers stehen „Ausgewählte Probleme der zwischenmenschlichen Kommunikation“ im Vordergrund, die als Hemmungen oder Ängste ein Gespräch nachhaltig beeinflussen können. Vor dem Hintergrund der im Grundlagenteil erarbeiteten Ergebnisse können diese Störungen durch Klärungen in ihren Auswirkungen gemindert oder doch zumindest verständlich gemacht werden, so dass ihr Einfluss auf die Kommunikation insgesamt abgemildert werden kann. Eine gelingende Kommunikation ist demnach keine störungsfreie, sondern eher eine störungsverstehende Kommunikation, die sich trotz der aufgezeigten Fehlerquellen nicht scheut, Ansprüche an ein Gegenüber zu formulieren und diese auch gemeinsam in die kommunikative Tat umzusetzen. So ist Friedemann Schulz von Thuns Buch insgesamt ein sehr glaubwürdiger Ratgeber in Sachen zwischenmenschlicher Kommunikation, der dem Leser gegenüber nicht allein kluge Fragen aufwirft, sondern ebenso bedachte Antworten und Ausblicke bietet.

„Niemand versteht mich.“ Wer hätte dies nicht schon einmal von seinen Mitmenschen gedacht. Dasjenige, was man sagen möchte, kommt beim Zuhörer häufig ganz anders an. Woran liegt das? Mit seiner Reihe „Miteinander reden“ geht der Kommunikationspsychologe Friedemann Schulz von Thun seit den frühen 1980er Jahren dem Phänomen der – mehr oder weniger gut gelingenden – zwischenmenschlichen Kommunikation nach.

Warum kann es in Gesprächen überhaupt zu Missverständnissen kommen, wo doch die Sprache scheinbar eindeutig und unter normalen Umständen vom Zuhörer gut zu verstehen ist? Sigmund Freud hatte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in seiner Abhandlung „Zur Psychopathologie des Alltagslebens“ näher mit dem Phänomen des Versprechens beschäftigt, und der daraus hervorgegangene sprichwörtliche Freudsche Versprecher beziehungsweise die Freudsche Fehlleistung sind noch heute in aller Munde. Was Schulz von Thun beabsichtigt, ist eher eine angenehm zu lesende Untersuchung wissenschaftlicher Ausrichtung, die sich mit dem Phänomen des Ver-Hörens und des Miteinandersprechens allgemein beschäftigt.

Unter der Überschrift „Die Anatomie einer Nachricht“ stellt Schulz von Thun zunächst einige Aspekte der zwischenmenschlichen Kommunikation vor und weist darauf hin, dass im Bereich des menschlichen Miteinander so gut wie nie eine rein sachliche Sender-Empfänger-Beziehung besteht. Vielmehr gibt es unterschiedliche Gesichtspunkte, die bei einer Analyse der menschlichen Kommunikation berücksichtigt werden sollten, um ein möglichst umfassendes Bild dieses facettenreichen Prozesses erhalten zu können.

Man nehme beispielsweise den Satz „Es regnet.“ als Ausgangspunkt für weitere Überlegungen. Besagt er in allen Situationen dasselbe? Nicht unbedingt. Die im Satz enthaltene Information, dass es regne, lässt sich ihrem informellen Kern nach kaum variieren beziehungsweise abstreiten. Doch wie steht es mit der Verwendung dieses Satzes durch den Sprecher selbst? Will er mit seiner Hilfe tatsächlich immer ausschließlich darüber Auskunft geben, dass es regne, oder sind nicht noch andere Verwendungszusammenhänge in einem Gespräch denkbar? Wie steht es etwa mit dem Fall, dass der Satz „Es regnet.“ als Antwort auf eine Frage verwendet wird? Zum Beispiel: „Wolltest Du heute nicht spazieren gehen?“ „Es regnet.“ Man merkt, dass der Satz an dieser Stelle mehr aussagen kann. Der Sprecher könnte etwa sagen wollen: „Nein, bei Regen gehe ich nicht vor die Tür.“ Dies ist nach Schulz von Thun der Aspekt der sogenannten „Selbstoffenbarung“, bei welcher der Sprecher im Rahmen seiner Mitteilung etwas über sich selbst aussagt.

Je nach Tonfall könnte der Satz „Es regnet.“ noch weitere Bedeutungen enthalten, wie etwa „Nein, bei Regen gehe ich nicht vor die Tür. Und das weißt Du genau!“ Der Ton macht bekanntlich die Musik und verrät dem Gegenüber zugleich etwas von der Stimmungslage des Sprechers ihm gegenüber. Dies ist der Aspekt der Beziehungsebene, bei der Schulz von Thun das Verhältnis der Kommunikationspartner zueinander in den Vordergrund stellt, da neben dem sogenannten „Sachinhalt“ – der Aussage, dass es regne – noch weitere Informationen übermittelt werden, nämlich in welchem Verhältnis der Sprecher zu seinem Gegenüber steht. Schließlich kann der Aussagesatz „Es regnet.“ auch noch als sogenannter „Appell“ verwendet werden, indem er beispielsweise als Erwiderung auf die Ankündigung eines Gegenübers „Ich gehe jetzt spazieren.“ erfolgt und in diesem Zusammenhang soviel bedeutet wie: „Zieh Dir aber vorher (bitte) etwas Wärmeres oder Wetterfesteres an.“

Neben diesen vier Dimensionen einer Äußerung – also: Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehungsebene und Appell – bestehen nach Schulz von Thun noch die vier „Ohren“ des Gegenübers, die mit eben denselben Empfangseinstellungen ausgestattet sind und folglich für Verwechselung sorgen können, wenn etwa die Beziehungsbotschaft des einen in das „Appell-Ohr“ des anderen gelangt und umgekehrt. Im Bereich der zwischenmenschlichen Kommunikation gibt es demnach eine Vielzahl von Möglichkeiten sich „falsch“ auszudrücken, so dass Unwägbarkeiten seitens der Kommunikationspartner eher die Regel als die Ausnahme darstellen und infolgedessen immer schon ahnend mitberücksichtigt werden sollten. Im zweiten Teil des Ratgebers stehen „Ausgewählte Probleme der zwischenmenschlichen Kommunikation“ im Vordergrund, die als Hemmungen oder Ängste ein Gespräch nachhaltig beeinflussen können. Vor dem Hintergrund der im Grundlagenteil erarbeiteten Ergebnisse können diese Störungen durch Klärungen in ihren Auswirkungen gemindert oder doch zumindest verständlich gemacht werden, so dass ihr Einfluss auf die Kommunikation insgesamt abgemildert werden kann.

Eine gelingende Kommunikation ist demnach keine störungsfreie, sondern eher eine störungsverstehende Kommunikation, die sich trotz der aufgezeigten Fehlerquellen nicht scheut, Ansprüche an ein Gegenüber zu formulieren und diese auch gemeinsam in die kommunikative Tat umzusetzen. So ist Friedemann Schulz von Thuns Buch insgesamt ein sehr glaubwürdiger Ratgeber in Sachen zwischenmenschlicher Kommunikation, der dem Leser gegenüber nicht allein kluge Fragen aufwirft, sondern ebenso bedachte Antworten und Ausblicke bietet.

geschrieben am 18.01.2008 | 717 Wörter | 4513 Zeichen

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