
| ISBN | 3442312329 | |
| Autor | Paul Hoffman | |
| Verlag | Goldmann | |
| Sprache | deutsch | |
| Seiten | 478 | |
| Erscheinungsjahr | 2010 | |
| Extras | - |

Thomas Cale, ungefĂ€hr vierzehn, lebt seit seinem fĂŒnten Lebensjahr auf der Ordensburg der Erlösermönche, zusammen mit hunderten anderer Zöglingen. Ziel der Mönche ist es, sie fĂŒr den heiligen Krieg gegen die Antagonisten auszubilden. Gewalt, Folter und andere Grausamkeiten stehen an der Tagesordnung der Erziehung ganz oben und ĂŒber allem wacht der gehĂ€ngte Erlöser. Obwohl er schon oft ĂŒber eine Flucht nachgedacht hat, macht er sich erst auf den Weg, nachdem er einen der Mönche getötet hat, um ein MĂ€dchen zu retten, das bei lebendigem Leib seziert werden sollte. Begleitet wird er von zwei Freunden, die er selbst niemals als solche bezeichnen wĂŒrde: Vague Henri und Kleist. Doch ĂŒberall wo er hinkommt, verfolgt ihn der Schatten und die vielen unbeantworteten Fragen seines frĂŒheren Lebens und mit seiner Flucht steht fĂŒr ihn fest, dass er nur eines will: Rache!

Paul Hoffmann schafft mit einem Buch âDie linke Hand Gottesâ einen etwas anderen Fantasy-Roman, in dem es einmal nicht um Elfen, Zwerge, Drachen und tapfere Kriegshelden geht. Seine Welt besteht nicht allein aus Fiktion, immer wieder verwendet er bekannte Begriffe und Namen aus der RealitĂ€t und arbeitet geschickt mit den Assoziationen, die der Leser zum Beispiel bei der Verwendung von StĂ€dtenamen wie York oder Memphis hat.
Hoffmann schreibt in routiniertem, flĂŒssigen Stil und verwendet eine sehr klare Sprache. Er scheut sich nicht vor sehr plastischen Gewaltdarstellungen und Schilderungen von Grausamkeiten der schlimmsten Art, seien es Krieg, Folter, Ermordungen oder die systematische Misshandlung von hunderten Kindern und Jugendlichen. Durch diese detailgenauen Schilderungen erscheint es immer wieder geradezu verwunderlich wie wenige Folgen die drei Jugendlichen auf der Flucht zu tragen haben.
Seine Charaktere sind bunt und vielseitig. Cale ist keineswegs der typische Held eines Romans. Neben seinen guten Seiten blitzt immer wieder ein Monster durch, das nicht alleine auf sein bisheriges Leben zurĂŒchzufĂŒhren ist. Hoffmann nutzt die Hin- und Hergerissenheit Cales und dessen Unwissenheit um den Leser zu fesseln.
Auch wenn die Beschreibung der Nebencharakteren stellenweise etwas oberflĂ€chlich erscheint, tut dies der eigentlichen Geschichte doch keinen Abbruch, da sie nur am Rand des Geschehens stehen und die wenigen charakteristischen Eigenschaften ausreichend sind. So gibt es zum Beispiel Idris Pukke, einen Krieger, der bei seiner ersten Bekanntschaft mit Cale noch von einer ganzen Reihe von Personen gesucht wird und der immer eine Weisheit fĂŒr die Jugend ĂŒbrig hat, oder Arbell Materazzi, die Tochter des Marshalls von Memphis, angeblich die schönste Frau des gesamten Reiches, die den Liebreiz und die Arroganz einer typischen Prinzessin in sich vereint und hin- und hergerissen ist zwischen Cale, dem Helden und Cale, dem SchlĂ€chter.
Die Kriegermönche werden zu Beginn des Buches ausschlieĂlich als grausame und unmenschliche Monster dargestellt. Einzige Ausnahme scheint Bosco, der Lehrer Cales, zu sein, der skrupellos seinen Vorgesetzten umbringen kann, aber gleichzeitig alle Hebel in Bewegung setzt, damit Cale lebt. Einen kurzen Blick in die Gedanken dieses Fanatikers erhĂ€lt man allerdings erst ganz am Ende des Buches und somit bleiben viele Fragen ĂŒber die eigentlichen HintergrĂŒnde der Geschichte offen.
Einen groĂen Raum nehmen Glauben und Religion in der ErzĂ€hlung ein. Diese weisen immer wieder Parallelen zur christlichen und insbesondere der katholischen Religion auf. Zwar gibt es keinen Gekreuzigten, aber immerhin einen erhĂ€ngten Erlöser. Der Glaube der Erlösermönche, der schrecklich und grausam erscheint, aber auf der anderen Seite fĂŒr diejenigen, die sich mit dem kath. Glauben auskennen, immer wieder vertraut wirkt, gibt der ErzĂ€hlung eine sehr verwirrenden Wirkung. Auf der einen Seite wirkt er fast schon ironisch-grotesk und auf der anderen stellt Hoffmann durch diese Ironie aber auch die dĂŒstere Seite des Glaubens dar.
Der Anfang des Romans wirkt etwas zĂ€h und wĂ€hrend dem Lesen stellt sich immer wieder die Frage, ob die wiederkehrende Gewalt tatsĂ€chlich der einzige Inhalt des Buches ist. Obwohl die Geschichte einerseits sehr einfach und klar wirkt, ist sie gleichzeitig auch sehr verwirrend. Dies erscheint jedoch vor dem Hintergrund passend, dass sie die Unsicherheit und Verwirrung des Hauptcharakters Cale widerspiegelt, der sich selbst nur als Spielball der Mönche oder anderer mĂ€chtigerer Personen vorkommt, ohne irgendetwas zu verstehen, dies aber hinnimmt, da er so erzogen wurde. Erst gegen Ende gibt es eine ErklĂ€rung fĂŒr das ganze Durcheinander und das Ziel, auf das der erste Band der Trilogie hinauslĂ€uft, ist zu erkennen, aber durch diese Erkenntnis entstehen gleichzeitig noch mehr Fragen.
âDie Linke Hand Gottesâ ist ein etwas anderes dĂŒsteres Fantasybuch und mit Sicherheit nichts fĂŒr schwache Nerven und sehr ĂŒberzeugte Christen.
geschrieben am 03.09.2010 | 725 Wörter | 4216 Zeichen
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