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Die Geheimnisse des Vatikan


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Rezension von

Jennifer Küppers

Die Geheimnisse des Vatikan „Zwei Dinge sind im Vatikan schwer zu bekommen, Aufrichtigkeit und ein guter Kaffee". Dies soll Kardinal Albino Luciani einst über den Vatikan gesagt haben. Über den Kaffee fällt Corrado Augias kein Urteil, die Aufrichtigkeit oder vielmehr die vielen Geheimnisse des Vatikan thematisiert er jedoch in seinem neuen Sachbuch „Die Geheimnisse des Vatikan. Eine andere Geschichte der Papststadt.“ Corrado Augias ist selbst in Rom geboren und dort einer der bedeutendsten politischen und Kulturjournalisten Italiens, außerdem bekannt als Fernsehmoderator, Kriminalschriftsteller und Theaterautor. Sein Buch „Die Geheimnisse Roms“ wurde im August 2009 zum Sachbuch des Monats (NDR, SZ) gewählt. Sein neues Sachbuch soll sich nun also auf 496 Seiten mit Geschichten rund um den Vatikan beschäftigen. Der Begriff „Vatikan“ stammt aus der Antike und bezeichnet als „ager vaticanus“ ursprünglich einen verrufenen, finsteren Ort. Der Ortsname leitet sich laut Aulus Gellius von vaticinium (Weissagung) ab. Heute ist der Staat der Vatikanstadt eine souveräne Körperschaft und somit der kleinste unabhängige Staat der Welt mit einer Ausdehnung von 44 Hektar und wenig mehr als 900 Einwohner. In seinem Vorwort legt Corrado Augias dar, dass es im Folgenden um einige bemerkenswerte Geschichten rund um den Vatikan gehen soll. Bemerkensweit seien diese Geschichten zum einen, weil sie historische und politische Umstände widerspiegelten, zum anderen, weil die Grausamkeit und Blutrünstigkeit dieser Geschichten den hohen Preis zeigten, den die Kirche zu zahlen hatte, um ihre geistigen Aufgaben mit der politischen Natur eines Staates in Balance zu halten. Und in der Tat die Geschichten sind bemerkenswert: Da sind zum einen diejenigen für historisch Interessierte, wie zum Beispiel die Geschichte von Nero, seine Mutter Agrippina und seine Rolle bei den Christenverfolgungen, die Geschichte von der Schweizergarde, die 1506 von Papst Julius II begründet wurde oder der konstantinischen Schenkung. Dann gibt es diejenigen Geschichten für kulturell Interessierte, die sich insbesondere mit Künstlern, der Malerei, Kunstwerken oder der Bildhauerei beschäftigt. Dazu gehören die Kapitel zu den beiden Künstlern Borromini und Bernini, das Kapitel über den Petersdom, den Quirinal oder zu Michelangelo und seiner Leistung in der Sixtinischen Kapelle. Und zuletzt sind da die Verschwörungstheorien und dunkle Geschichten wie zum Beispiel der Fall Alois Estermann, welcher wenige Stunden nach seiner Ernennung zum 31. Kommandanten der Schweizergarde mit seiner Ehefrau getötet wurde. Der genaue Umstand seines Todes ist bis heute nicht geklärt, auch wenn die Kirche schnell einen Schuldigen fand: Den Unteroffizier Cédric Tornay, der Suizid beging. Ebenso mysteriös scheint das Verschwinden (war es eine Entführung?) der 15-jährigen Emanuela Orlandi, was Augias in Verbindung mit dem Papst-Attentat, der italienischen Mafia und zu Stasi-Verwicklungen setzt. Selbstverständlich kommen auch der Templerorden, die Laienorganisation Opus Dei, die Inquisition und die Jesuiten zur Sprache. Augias verschweigt weder die unleidliche Haltung den Juden gegenüber im zweiten Weltkrieg und verweist auf die finanziellen Verwicklungen des Vatikan. Unterhaltsam hinterfragt und kritisiert Augias so die Verfassung einer Religion als 'Staatsgebilde'. Er versucht nicht zwanghaft, darzulegen, dass politisches Machtstreben sich mit einer Religion nicht vereinen lässt. Unterschwellig aber klingt diese Grundannahme immer wieder an. Die Geschichten sind allesamt gut recherchiert und für sich spannend. Ihre Zusammenstellung wirkt jedoch recht beliebig und es fehlt der rote Faden. Leider sind einige Geschichten aufgrund der vielen Namen und Begriffe, Verweise und Zitate für den Laien schwer nachzuvollziehen und gestalten die Lektüre oft recht anstrengend. Es fehlen Karten, Bilder von Gemälden, Wappen, Kirchen oder Skulpturen, die ein Verständnis erleichtern und die Geschichten anschaulicher gestalten. Für Laien ist dieses Sachbuch etwas zu ausführlich, für Sachkundige jedoch bietet es lediglich bekannte Geschichten, die neu aufgearbeitet wurden.

„Zwei Dinge sind im Vatikan schwer zu bekommen, Aufrichtigkeit und ein guter Kaffee".

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Dies soll Kardinal Albino Luciani einst über den Vatikan gesagt haben. Über den Kaffee fällt Corrado Augias kein Urteil, die Aufrichtigkeit oder vielmehr die vielen Geheimnisse des Vatikan thematisiert er jedoch in seinem neuen Sachbuch „Die Geheimnisse des Vatikan. Eine andere Geschichte der Papststadt.“

Corrado Augias ist selbst in Rom geboren und dort einer der bedeutendsten politischen und Kulturjournalisten Italiens, außerdem bekannt als Fernsehmoderator, Kriminalschriftsteller und Theaterautor. Sein Buch „Die Geheimnisse Roms“ wurde im August 2009 zum Sachbuch des Monats (NDR, SZ) gewählt.

Sein neues Sachbuch soll sich nun also auf 496 Seiten mit Geschichten rund um den Vatikan beschäftigen. Der Begriff „Vatikan“ stammt aus der Antike und bezeichnet als „ager vaticanus“ ursprünglich einen verrufenen, finsteren Ort. Der Ortsname leitet sich laut Aulus Gellius von vaticinium (Weissagung) ab. Heute ist der Staat der Vatikanstadt eine souveräne Körperschaft und somit der kleinste unabhängige Staat der Welt mit einer Ausdehnung von 44 Hektar und wenig mehr als 900 Einwohner.

In seinem Vorwort legt Corrado Augias dar, dass es im Folgenden um einige bemerkenswerte Geschichten rund um den Vatikan gehen soll. Bemerkensweit seien diese Geschichten zum einen, weil sie historische und politische Umstände widerspiegelten, zum anderen, weil die Grausamkeit und Blutrünstigkeit dieser Geschichten den hohen Preis zeigten, den die Kirche zu zahlen hatte, um ihre geistigen Aufgaben mit der politischen Natur eines Staates in Balance zu halten.

Und in der Tat die Geschichten sind bemerkenswert:

Da sind zum einen diejenigen für historisch Interessierte, wie zum Beispiel die Geschichte von Nero, seine Mutter Agrippina und seine Rolle bei den Christenverfolgungen, die Geschichte von der Schweizergarde, die 1506 von Papst Julius II begründet wurde oder der konstantinischen Schenkung.

Dann gibt es diejenigen Geschichten für kulturell Interessierte, die sich insbesondere mit Künstlern, der Malerei, Kunstwerken oder der Bildhauerei beschäftigt. Dazu gehören die Kapitel zu den beiden Künstlern Borromini und Bernini, das Kapitel über den Petersdom, den Quirinal oder zu Michelangelo und seiner Leistung in der Sixtinischen Kapelle.

Und zuletzt sind da die Verschwörungstheorien und dunkle Geschichten wie zum Beispiel der Fall Alois Estermann, welcher wenige Stunden nach seiner Ernennung zum 31. Kommandanten der Schweizergarde mit seiner Ehefrau getötet wurde. Der genaue Umstand seines Todes ist bis heute nicht geklärt, auch wenn die Kirche schnell einen Schuldigen fand: Den Unteroffizier Cédric Tornay, der Suizid beging. Ebenso mysteriös scheint das Verschwinden (war es eine Entführung?) der 15-jährigen Emanuela Orlandi, was Augias in Verbindung mit dem Papst-Attentat, der italienischen Mafia und zu Stasi-Verwicklungen setzt.

Selbstverständlich kommen auch der Templerorden, die Laienorganisation Opus Dei, die Inquisition und die Jesuiten zur Sprache. Augias verschweigt weder die unleidliche Haltung den Juden gegenüber im zweiten Weltkrieg und verweist auf die finanziellen Verwicklungen des Vatikan. Unterhaltsam hinterfragt und kritisiert Augias so die Verfassung einer Religion als 'Staatsgebilde'. Er versucht nicht zwanghaft, darzulegen, dass politisches Machtstreben sich mit einer Religion nicht vereinen lässt. Unterschwellig aber klingt diese Grundannahme immer wieder an.

Die Geschichten sind allesamt gut recherchiert und für sich spannend. Ihre Zusammenstellung wirkt jedoch recht beliebig und es fehlt der rote Faden. Leider sind einige Geschichten aufgrund der vielen Namen und Begriffe, Verweise und Zitate für den Laien schwer nachzuvollziehen und gestalten die Lektüre oft recht anstrengend. Es fehlen Karten, Bilder von Gemälden, Wappen, Kirchen oder Skulpturen, die ein Verständnis erleichtern und die Geschichten anschaulicher gestalten.

Für Laien ist dieses Sachbuch etwas zu ausführlich, für Sachkundige jedoch bietet es lediglich bekannte Geschichten, die neu aufgearbeitet wurden.

geschrieben am 15.05.2013 | 575 Wörter | 3544 Zeichen

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