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Der Jane Austen Club


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Rezension von

Jennifer Küppers

Der Jane Austen Club Selten, sehr selten kommt bei menschlichen Enthüllungen die ganze Wahrheit ans Licht; selten ist etwas nicht ein wenig verschleiert oder ein wenig entstellt. (Jane Austen, Emma) Die literarischen Werke von Jane Austen sind umstritten. Während unter anderem Stevenson und Kipling die Genauigkeit ihrer Beobachtung, die sprachliche Eleganz und formale Perfektion sowie die scharfe Beobachtungsgabe, mit der sie die menschliche Natur und ihre soziale Interaktion aufs Korn nahm, lobten, schrieben Charlotte Bronte und Mark Twain negative Kritiken. Letzterer bekannte sogar, dass er jedes Mal, wenn er Stolz und Vorurteil läse, am liebsten „ihre Knochen ausgraben und ihr mit ihrem eigenen Schienenbein eins überziehen“ wollte. Auch heute noch – nach zahlreichen Verfilmungen und Fernsehadaptionen – bleibt Jane Austen für die einen die Autorin wunderbarer Liebesromane, für die anderen eine der größten Kitschautorinnen. Karen Joy Fowler erzählt von fünf Frauen und einem Mann, welche die Liebe zu Jane Austen verbindet. Sie treffen sich ein halbes Jahr lang genau einmal im Monat im kalifornischen Central Valley, um als Leseclub über die berühmten Romane der britischen Gesellschaftskritikerin zu diskutieren: Emma, Sinn und Sinnlichkeit, Mansfield Park, Kloster Northanger, Stolz und Vorurteil und Überredung. Jeder der sechs Protagonisten ist einmal Gastgeber und sein jeweiliger Lieblingsroman wird thematisiert. Durch die Beschäftigung mit dem jeweiligen Roman von Jane Austen lernen die Charaktere etwas über sich selbst und legen ihre Schicksalsschläge und Vorgeschichten dar. Es geht um Frauenfreundschaften, Liebesbeziehungen, Mutter-Tochter-Beziehungen, Scheidungen…Besonders diese unterhaltsam erzählten, teils ironischen, teils traurig- rührenden und manchmal sogar witzigen Sequenzen machen diesen Roman spannend und lesenswert. Karen Joy Fowler bemüht sich darum, Jane Austens Romanfiguren in die Gegenwart zu versetzen. Die durchsetzungsfähige Jocelyn, die sich gerne um Andere kümmert und sie verkuppelt, gleichzeitig aber alles kontrollieren möchte erinnert ein wenig an „Emma“: „Wenn ich lediglich will, dass meine Freunde glücklich sind…werde ich mich hoffentlich immer einmischen.“ Die Situation von Prudie, die sich zu einem ihrer Schüler hingezogen fühlt, erinnert an die Situation der Maria aus Mansfield Park. Wird die Schultheateraufführung ähnliche Konsequenzen haben wie die geplante Theatervorstellung aus dem Roman Mansfield Park, aus der die Affäre Marias mit Henry folgt, die für Maria nicht gut ausgeht? „Es wäre die letzte Szene – womoglich auch die letzte Szene auf dieser Bühne, aber er war sich sicher, eine bessere konnte es nicht geben. Das Haus würde mit einem gewaltigen Eklat schließen (Mansfield Park). Doch nicht nur einzelne Protagonisten tragen Züge von Austens Romanfiguren, auch ganze Handlungsgänge oder Situationen und Orte verweisen auf Austens Romane: Wie im Roman Überredung gibt es einen Ausflug ans Meer und einen Sturz mit schicksalhaften Folgen, und Fundraising-Dinner und Abschlussbälle lassen Austens Bälle wieder auferstehen. Auch der Epilog verläuft ganz nach Austen Manier: Er lässt die einzelnen Pärchen zusammen kommen: „Die Gewohnheit, lieben zu lernen, auf die kommt es an.“ Der außergewöhnlichste Teil des Romans ist sicher sein Anhang. Dort werden zum einen die zum Teil komischen Diskussionsfragen der Protagonisten von Fowlers Roman aufgelistet, die partiell wenig mit Austens Werk, sondern vielmehr mit dem Leben des jeweiligen Protagonisten zu tun haben. Zum anderen gibt es verständliche Kurzfassungen der einzelnen Austen-Romane sowie Reaktionen der Zeitgenossen und heutigen Kritikern. "Der Jane Austen Club" war ein großer Verkaufsschlager im angelsächsischen Raum. Er ist leicht zu lesen, unterhaltsam und spannend. Um jedoch alle Anspielungen auf Jane Austen zu verstehen, muss man schon ein großer Jane Austen Fan sein. Verwirrend mag die Erzählweise – eine Kombination aus allwissendem Erzähler und einem Erzähler in der ersten Person Plural sein. Auch der Titel des Buches verspricht möglicherweise noch mehr offensichtlichere Austen-Verweise als dann enthalten sind. Dennoch: Wirklich lesenswert.

Selten, sehr selten kommt bei menschlichen Enthüllungen die ganze Wahrheit ans Licht; selten ist etwas nicht ein wenig verschleiert oder ein wenig entstellt. (Jane Austen, Emma)

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Die literarischen Werke von Jane Austen sind umstritten. Während unter anderem Stevenson und Kipling die Genauigkeit ihrer Beobachtung, die sprachliche Eleganz und formale Perfektion sowie die scharfe Beobachtungsgabe, mit der sie die menschliche Natur und ihre soziale Interaktion aufs Korn nahm, lobten, schrieben Charlotte Bronte und Mark Twain negative Kritiken. Letzterer bekannte sogar, dass er jedes Mal, wenn er Stolz und Vorurteil läse, am liebsten „ihre Knochen ausgraben und ihr mit ihrem eigenen Schienenbein eins überziehen“ wollte. Auch heute noch – nach zahlreichen Verfilmungen und Fernsehadaptionen – bleibt Jane Austen für die einen die Autorin wunderbarer Liebesromane, für die anderen eine der größten Kitschautorinnen.

Karen Joy Fowler erzählt von fünf Frauen und einem Mann, welche die Liebe zu Jane Austen verbindet. Sie treffen sich ein halbes Jahr lang genau einmal im Monat im kalifornischen Central Valley, um als Leseclub über die berühmten Romane der britischen Gesellschaftskritikerin zu diskutieren: Emma, Sinn und Sinnlichkeit, Mansfield Park, Kloster Northanger, Stolz und Vorurteil und Überredung.

Jeder der sechs Protagonisten ist einmal Gastgeber und sein jeweiliger Lieblingsroman wird thematisiert. Durch die Beschäftigung mit dem jeweiligen Roman von Jane Austen lernen die Charaktere etwas über sich selbst und legen ihre Schicksalsschläge und Vorgeschichten dar. Es geht um Frauenfreundschaften, Liebesbeziehungen, Mutter-Tochter-Beziehungen, Scheidungen…Besonders diese unterhaltsam erzählten, teils ironischen, teils traurig- rührenden und manchmal sogar witzigen Sequenzen machen diesen Roman spannend und lesenswert. Karen Joy Fowler bemüht sich darum, Jane Austens Romanfiguren in die Gegenwart zu versetzen. Die durchsetzungsfähige Jocelyn, die sich gerne um Andere kümmert und sie verkuppelt, gleichzeitig aber alles kontrollieren möchte erinnert ein wenig an „Emma“: „Wenn ich lediglich will, dass meine Freunde glücklich sind…werde ich mich hoffentlich immer einmischen.“ Die Situation von Prudie, die sich zu einem ihrer Schüler hingezogen fühlt, erinnert an die Situation der Maria aus Mansfield Park. Wird die Schultheateraufführung ähnliche Konsequenzen haben wie die geplante Theatervorstellung aus dem Roman Mansfield Park, aus der die Affäre Marias mit Henry folgt, die für Maria nicht gut ausgeht? „Es wäre die letzte Szene – womoglich auch die letzte Szene auf dieser Bühne, aber er war sich sicher, eine bessere konnte es nicht geben. Das Haus würde mit einem gewaltigen Eklat schließen (Mansfield Park).

Doch nicht nur einzelne Protagonisten tragen Züge von Austens Romanfiguren, auch ganze Handlungsgänge oder Situationen und Orte verweisen auf Austens Romane: Wie im Roman Überredung gibt es einen Ausflug ans Meer und einen Sturz mit schicksalhaften Folgen, und Fundraising-Dinner und Abschlussbälle lassen Austens Bälle wieder auferstehen. Auch der Epilog verläuft ganz nach Austen Manier: Er lässt die einzelnen Pärchen zusammen kommen: „Die Gewohnheit, lieben zu lernen, auf die kommt es an.“

Der außergewöhnlichste Teil des Romans ist sicher sein Anhang. Dort werden zum einen die zum Teil komischen Diskussionsfragen der Protagonisten von Fowlers Roman aufgelistet, die partiell wenig mit Austens Werk, sondern vielmehr mit dem Leben des jeweiligen Protagonisten zu tun haben. Zum anderen gibt es verständliche Kurzfassungen der einzelnen Austen-Romane sowie Reaktionen der Zeitgenossen und heutigen Kritikern.

"Der Jane Austen Club" war ein großer Verkaufsschlager im angelsächsischen Raum. Er ist leicht zu lesen, unterhaltsam und spannend. Um jedoch alle Anspielungen auf Jane Austen zu verstehen, muss man schon ein großer Jane Austen Fan sein. Verwirrend mag die Erzählweise – eine Kombination aus allwissendem Erzähler und einem Erzähler in der ersten Person Plural sein. Auch der Titel des Buches verspricht möglicherweise noch mehr offensichtlichere Austen-Verweise als dann enthalten sind. Dennoch: Wirklich lesenswert.

geschrieben am 17.02.2010 | 587 Wörter | 3589 Zeichen

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